Konjunktur im ostsächsischen Handwerk: Geschäftsklimaindex erreicht neuen Höchstwert

© Handwerkskammer Dresden

Konjunktur im ostsächsischen Handwerk: Geschäftsklimaindex erreicht neuen Höchstwert

Dr. Jörg Dittrich: „Große Sorgen bereitet aber der Gedanke an die Alterssicherung.“

03.11.2016

Es geht weiter nach oben: Nachdem die Stimmung im ostsächsischen Handwerk im vergangenen Herbst wieder an Schwung aufgenommen hatte – mit dem Erreichen des bisherigen Höchststandes beim Geschäftsklima – und auch ein sehr guter Jahresstart konstatiert werden konnte, werden in der aktuellen Herbstkonjunkturanalyse der Handwerkskammer Dresden die Ergebnisse des Vorjahres größtenteils überschritten. So erreicht der Geschäftsklimaindex mit 51 Punkten (vgl. Herbst 2015: 45 Punkte / Frühjahr 2016: 42 Punkte) einen neuen Höchststand.

„Das ostsächsische Handwerk konnte im vollem Umfang an der überdurchschnittlichen Entwicklung der sächsischen Wirtschaft teilhaben“, konstatiert Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden zufrieden. „Dabei lässt sich feststellen: Je größer die Betriebe umso besser das Klima. Das Handwerk ist und bleibt somit der Motor für nachhaltiges Wachstum in der Region.“

„Doch während die konjunkturelle Stimmungslage optimistisch ist, haben viele Handwerker – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber in Ostdeutschland – Sorgenfalten auf der Stirn, wenn es um die Alterssicherung geht“, spricht Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, ein für das Handwerks zentrales Thema an. „Die Gefahr einer wachsenden Altersarmut bereitet vielen Handwerkern zwischen Ostsee und Erzgebirge, zwischen Harz und Oder Kopfzerbrechen. Hier haben wir ganz klare Vorstellungen und Erwartungen an die künftige Ausrichtung des deutschen Rentensystems.“

Flächendeckende Altersarmut abwenden - die Forderungen der Handwerkskammer Dresden:

  1. Generationsgerechtes Rentensystem
    Diese Säule erstreckt sich von einfacheren und praxisgerechteren Regelungen bei der Flexi-Rente, um die Übergänge in die Rente flexibler zu gestalten, über einen größeren Kreis der Beitragszahler in die Gesetzliche Rentenversicherung bis hin Evaluierung der Wirkung des Rentenpaketes aus dem Jahr 2014. Gerade Maßnahmen wie die Rente mit 63 oder die Mütterrente gehören auf den Prüfstand gestellt. Deren Kosten belaufen sich aktuell auf zehn Milliarden Euro jährlich – Tendenz steigend – und werden aus den Beiträgen der GRV gezahlt. Damit wird die Generation der „Babyboomer“ auf Kosten zukünftiger Generationen bevorzugt. Dies darf es nicht geben. Wenn man die Maßnahmen weiterhin möchte, müssen sie aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanziert werden und dürfen nicht die Kassen der GRV schröpfen.
    Um Gerechtigkeit geht es auch bei der Angleichung der Ost- an die Westrenten. Hier ist es aus Sicht der Handwerkskammer Dresden entscheidend, dass im Zuge des Reformprozesses die aktiven Beitragszahler durch die Angleichung der Ostrenten an das Westniveau nicht schlechter gestellt werden.
  1. Altersvorsorgepflicht für Selbstständige
    Eine lückenlose Erwerbsbiografie und kontinuierliche Altersvorsorge durch regelmäßige Rentenbeiträge sind wichtige Grundvoraussetzungen, um der Gefahr einer drohenden Altersarmut im Handwerk wirkungsvoll zu begegnen. Daher wirbt die Handwerkskammer für die Einführung einer Altersvorsorgepflicht für alle Selbstständigen in Deutschland – allerdings unter Berücksichtigung der Wahlfreiheit, ob gesetzliche oder private Rentenversicherung. Existenzgründer sollten derweil für einen Übergangszeitraum von drei Jahren von der Vorsorgepflicht befreit werden.
  2. Steuerliche Anreize für Altersvorsorge setzen
    Um die Altersversorgung von Unternehmern und Beschäftigten im Handwerk auf eine breitere Basis zu stellen, gilt es zudem, die Bereitschaft zur Vorsorge zu steigern. Dafür müssen Maßnahmen der betrieblichen und privaten Altersvorsorge steuerlich begünstigt werden.
    In diesem Zuge gilt es auch die Riester-Rente als wichtige Säule der kapitalgedeckten Alterssicherung in Deutschland zu modernisieren und – im anhaltenden Niedrigzinsumfeld – an die ökonomischen Gegebenheiten unserer Zeit anzupassen.

Weitere Ergebnisse der Herbstkonjunkturanalyse

60 Prozent der befragten Betriebe – und damit besser denn je – bewerten ihre gegenwärtige Geschäftslage mit gut und 33 Prozent mit zufriedenstellend. Bis zum Jahresende werden die Geschäftserwartungen insgesamt fast genauso günstig eingeschätzt wie die derzeitige Lage und noch optimistischer als vor einem Jahr. Getragen wird die zum Großteil sehr positive Stimmungslage von einer im Vergleich zum Vorjahr verbesserten Auftragslage – für 13 Prozent war diese überdurchschnittlich, für drei Viertel im Normalbereich. Knapp ein Viertel der Betriebe verzeichnete steigende Auftragseingänge. Die gesteigerte Auftragslage sorgte wiederum für einen Höchstwert bei der Betriebsauslastung mit 88 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben stieg – wenn auch saisonal bedingt nur um 1,3 Prozent. Dies ist jedoch ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr.

Sehr deutlich zeigt sich der positive Trend auch bei der Umsatzentwicklung. Aufbauend auf generell steigenden Umsätzen im sächsischen Handwerk in den vergangenen Jahren, besonders deutlich jedoch mit einem Umsatzplus von 6,3 Prozent im zweiten Quartal 2016, meldeten 26 Prozent der Befragten nochmals Steigerungen zum Vorquartal. Auf hohem Niveau blieb daher auch die Investitionsbereitschaft. Mit durchschnittlich 60.000 Euro pro Betrieb lag die Investitionssumme deutlich über dem Vorjahr als in Größenordnungen von 36.000 Euro/Betrieb investiert wurde. Begründet liegt dies darin, dass einzelne – besonders im Nahrungsmittelhandwerk – sehr hoch in Ausrüstungen investierten.

Über die vergangenen vier Jahre gesehen wird die Preissituation immer günstiger eingeschätzt. Nur 39 Prozent meldeten gestiegene Einkaufspreise. Höher ist dieser Anteil im Handwerk für den persönlichen Bedarf, im Bau und Ausbau – was sich wiederum in gestiegenen Verkaufspreisen niederschlug. Bis zum Jahresende wird besonders im Ausbau und im Kfz-Handwerk mit höheren Kosten und Einkaufspreisen gerechnet. Das Kfz-Gewerbe plant, diese in noch größerem Umfang auf seine Kunden umzulegen.

So unterschiedlich die Handwerksbranchen, so unterschiedlich auch die Stimmungslage: Vom „ewigen“ Spitzenreiter Ausbau mit 63 Punkten bis zum Kfz-Handwerk mit 28 Punkten (dennoch ein Höchstwert für die Branche) reicht die Skala des Geschäftsklimaindexes. Dazwischen finden sich der Bau mit 49 Punkten, das Handwerk für den gewerblichen Bedarf mit 48 Punkten (dessen Untergruppe der handwerklichen Zulieferer verzeichnet sogar 59 Punkte), das Gesundheitshandwerk mit 44 Punkten, Handwerk für den persönlichen Bedarf mit 43 Punkten und das Lebensmittelhandwerk mit 41 Punkten.

Hintergrund:

Für ihre Konjunkturanalyse befragt die Handwerkskammer Dresden jeweils im Frühjahr und im Herbst ihre Mitgliedsbetriebe. Für die aktuelle Befragung wurden von den insgesamt 22.402 Betrieben 4.516 befragt. Die Rücklaufquote beträgt zwölf Prozent.

Der Konjunkturbericht Herbst 2016 steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

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