Wer repariert eigentlich unsere Welt?

Projekt zur Berufsorientierung und Karrierewege im Handwerk

Stellen wir uns einen Morgen ohne Handwerk vor: Die Heizung bleibt kalt, das Fahrrad hat einen platten Reifen, der Wasserhahn tropft und niemand ist da, der es repariert. Ziemlich schnell wird klar: Ohne Handwerk läuft im Alltag erstaunlich wenig.

Genau darum ging es in unserem Projekt zur Berufsorientierung und Karrierewege im Handwerk.
Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Oberschule Mücka haben wir uns gefragt: Welche Berufe gibt es eigentlich im Handwerk? Wie läuft eine Ausbildung ab? Und könnte man vielleicht sogar irgendwann einen eigenen Betrieb gründen? Was ist eigentlich Unternehmertum?

Schnell wurde deutlich: Das Handwerk ist unglaublich vielfältig. Vom Tischler, der Möbel baut, über Elektroniker, die Gebäude mit Energie versorgen, bis hin zu Zweiradmechanikern, die Fahrräder und E-Bikes wieder flott machen. Auch Berufe wie Bäcker, Optiker, Metallbauer oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gehören dazu.

Dabei ist der Weg in diese Berufe klar strukturiert: Die Ausbildung dauert meist drei bis dreieinhalb Jahre und findet an hauptsächlich zwei Orten statt – im Betrieb, wo die praktische Arbeit gelernt wird und in der Berufsschule, wo das theoretische Wissen vermittelt wird. Zusätzlich gibt es noch die überbetriebliche Lehrunterweisung. Hierbei kann unsere Beraterin im Rahmen der ‚Passgenauen Besetzung‘, Frau Arnold, den Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützend zur Seite stehen. Wer danach noch weiter als den Gesellenabschluss will, hat viele Möglichkeiten. Zum Beispiel vom Meister bis hin zum eigenen Betrieb.

Aber wie funktioniert eigentlich ein Handwerksbetrieb?

Nach der Einführung wurde es praktisch. Die Schülerinnen und Schüler wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe erhielt folgende Aufgabe:

Stellt euch vor, ihr gründet einen Handwerksbetrieb. Wie funktioniert der eigentlich?

Die ersten Antworten kamen schnell.
„Es braucht einen Chef oder eine Chefin.“
„Angestellte natürlich.“
„Werkzeug!“
„Und Material!“

So weit, so logisch.

Doch dann wurde es kniffliger. Denn ein Betrieb besteht nicht nur aus Werkzeug und Arbeit. Es ging plötzlich um Fragen wie:

  • Woher kommt eigentlich das Geld, um einen Betrieb zu starten?
  • Was ist ein Jahresabschluss?
  • Wer schreibt die Angebote?
  • Und was passiert mit den Steuern?

Hier wurde schnell klar: Ein Handwerksbetrieb ist nicht nur ein Ort, an dem handwerklich gearbeitet wird. Dahinter steckt auch Organisation, Planung und Verantwortung für Finanzen und Personal.

Nachdem die Gruppen ihre Ideen gesammelt hatten, präsentierten sie ihre Ergebnisse der jeweils anderen Gruppe und merkten dabei selbst, wie viele Aspekte zu einem funktionierenden Betrieb gehören.

Unternehmertum – mehr als nur eine gute Idee

Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit einer grundlegenden Frage: Was bedeutet eigentlich Unternehmertum?

Unternehmertum heißt, eine Idee zu haben und den Mut, daraus etwas Eigenes zu machen. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen planen, Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und manchmal auch Risiken eingehen. Sie überlegen, wie sie Kunden gewinnen, wie sie ihre Arbeit organisieren und wie ihr Betrieb langfristig erfolgreich sein kann.

Viele stellten fest: Unternehmertum hat viel mit Kreativität, Selbstständigkeit und Durchhaltevermögen zu tun.
Ergänzend wurde auch deutlich, dass Unternehmertum nicht immer eine Neugründung bedeuten muss. Gerade im Handwerk bieten sich viele Chancen, bestehende Betriebe zu übernehmen. Dabei spielen nicht nur wirtschaftliche Aspekte eine Rolle, sondern auch der Umgang mit bestehenden Kundenbeziehungen und Mitarbeitenden. Eine erfolgreiche Übernahme bedeutet, Vertrauen weiterzuführen, ein eingespieltes Team zu begleiten und gleichzeitig eigene Ideen einzubringen.

So wurde klar: Unternehmertum kann auch darin bestehen, Bewährtes fortzuführen und weiterzuentwickeln.

Drei Betriebe, drei Ideen

Nachdem die Grundlagen geklärt waren, wurde es richtig spannend. Die Schüler gründeten in Gruppen drei fiktive Handwerksbetriebe – natürlich mit eigenen Ideen und kleinen Herausforderungen.

Plötzlich standen ganz praktische Fragen im Raum:

  • Wer sind eigentlich meine Kunden?
  • Wie mache ich Werbung für meinen Betrieb?
  • Und wie sieht mein Firmenlogo aus?
  • Wie komme ich zur besten Lösung des Problems?

Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Von einem Betrieb rund um Wassersysteme, über die Gründung einer Zweiradmechaniker-Werkstatt, bis hin zum Bau- und Einbau von Klimaanlagen, entwickelten die Gruppen eigene Konzepte. Es wurden Firmennamen entwickelt, Logos entworfen und Marketingideen gesammelt. Dabei kamen auch Aspekte wie das Wirken in der Region, der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und das Finden nachhaltiger Lösungen nicht zu kurz.

Dabei zeigte sich schnell: Wenn man einmal anfängt, über einen eigenen Betrieb nachzudenken, kommen plötzlich sehr viele spannende Ideen zusammen.

Ein Blick in die Zukunft

Am Ende des Projekts blieb eine Erkenntnis besonders hängen: Viele junge Menschen können sich tatsächlich eine Zukunft im Handwerk vorstellen.

Viele Schüler haben bereits eine ziemlich klare Idee, in welche handwerkliche Richtung sie später gehen möchten.

Und drei von ihnen, wissen sogar jetzt schon ganz genau: „Ich will später den Betrieb meiner Eltern übernehmen.“

Vielleicht ist also unter ihnen schon der nächste Meisterbetrieb, der nächste Familienbetrieb – oder sogar ein Unternehmen, das gerade erst in unseren Projektgruppen seinen Anfang genommen hat.

Impressionen vom Projekttag in der Oberschule Mücka