Die Konjunktur im ostsächsischen Handwerk hat sich  abgekühlt – die Beschäftigungszahlen bleiben stabil

© Handwerkskammer Dresden

Die Konjunktur im ostsächsischen Handwerk hat sich abgekühlt – die Beschäftigungszahlen bleiben stabil

Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden: „Noch haben viele Betriebe gut zu tun, aber die Sorgen mehren sich.“

02.11.2020

Die Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie haben auch das ostsächsische Handwerk ergriffen. Die Auswirkungen haben die bereits im Vorjahr eingesetzte Abschwächung der Konjunktur noch verstärkt. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind daher insgesamt verhalten und in einzelnen Branchen besonders eingetrübt.

„Viel wird davon abhängen, wie sich das Corona-Geschehen in den nächsten Monaten weiter entwickelt“, sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. „Ungeachtet der durch die Bundesregierung ergriffenen konjunkturellen Maßnahmen, ist eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau für das Wirtschaftsjahr 2020 nicht zu erwarten.“

„Umso wichtiger ist es daher, dass die Politik mit Augenmaß agiert. Oberstes Ziel sollte es sein, die Wirtschaft nicht über Gebühr zu belasten und weitere Unsicherheiten zu schüren“, betont Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. „Die Sorge ist teilweise groß. Noch hat die Mehrzahl der Betriebe gut zu tun. Ein Umstand, der auch dafür sorgt, dass die Unternehmen an ihren Mitarbeitern festhalten.“

 

Verstärkte Eingriffe des Staates in das freie wirtschaftliche Handeln:

Seit heute (2. November) dürfen 973 Kosmetikbetriebe in Ostsachsen ihrem Handwerk nicht nachgehen. 419 Bäckern, 67 Konditoren und 241 Fleischern ist es untersagt, ihre Cafés oder Imbisse zu betreiben. Lediglich der Außerhaus-Verkauf ist erlaubt. Bundesregierung und Freistaat begründen diese Maßnahmen mit dem Kampf gegen das Corona-Virus und dem starken Anstieg der Fallzahlen in den vergangenen Wochen.

„Das alles sind sehr schwerwiegende Eingriffe in die freie Wirtschaft“, sagt Jörg Dittrich. „Unbestritten ist, dass die steigenden Corona-Fallzahlen zum Handeln zwingen. Dennoch bereitet uns die fehlende Differenzierung Sorge. Die betroffenen Unternehmen haben mit viel Aufwand Hygienekonzepte vorgelegt und müssen nun dennoch diese schwerwiegenden Konsequenzen tragen. Umso wichtiger wird es sein, dass die versprochenen finanziellen Hilfen sehr schnell bei den Betroffenen ankommen.“

„Mit Sorge sehe wir, dass der Staat auch außerhalb dieser außergewöhnlichen Krise immer mehr bereit ist, dass freie Wirtschaften unnötig einzuschränken“, unterstreicht der Präsident der Handwerkskammer Dresden und verweist zum Beispiel auf die Einführung der Mindestausbildungsvergütung Anfang des Jahres, das geplante Lieferkettengesetz, Überlegungen hin zu einem Rechtsanspruch auf Home Office sowie immer stärkere Klimaschutzvorgaben. „Wir brauchen dringend ein Umdenken. Aus Sicht des Handwerks bedarf es einer klaren Rollenverteilung. Der Staat setzt die Rahmenbedingungen, innerhalb derer der Unternehmer frei entscheiden kann. Doch immer mehr wird die unternehmerische Freiheit beschnitten.“

 

Generell müsse eine Frage stärker in den Mittelpunkt gerückt werden:

Und zwar: Sind diese Eingriffe gerechtfertigt, angebracht und verhältnismäßig? „Komplizierte Formulare, umfassende Dokumentationspflichten und stetig neue Vorschriften zum Schutz von Arbeitsstätten, Verbrauchern oder Umwelt. Viele Inhaber von Handwerksbetrieben verbringen zunehmend mehr Zeit mit der Bewältigung administrativer Anforderungen als mit der Ausübung ihres Handwerks. Das ist eine eindeutig falsche Entwicklung“, so Jörg Dittrich.

 
 

Konjunkturdaten im Überblick:

Mit einem aktuellen Wert von 115 Punkten im Gesamthandwerk hat sich das Geschäftsklima sowohl gegenüber dem Frühjahr (- 8 Prozentpunkte) als auch gegenüber dem Vorjahresherbst (- 15 Prozentpunkte) verschlechtert.

Nur noch knapp der Hälfte (52%) der rund 22.500 Handwerksunternehmen in Ostsachsen schätzen ihre derzeitige Geschäftslage als gut ein. Zwölf Prozent der Handwerksbetriebe in Ostsachsen klagen heute über eine schlechte Geschäftslage.

Nach dem Frühjahrs-Lockdown und seinen Nachwirkungen hat sich die Lage so weit stabilisiert, dass mehr als die Hälfte der Betriebe gleichbleibende Umsätze melden. Jedoch beklagt jeder dritte Handwerksbetrieb, der für den gewerblichen Bedarf arbeitet – also insbesondere Zulieferer – Umsatzrückgang.

Neben den Umsätzen hat sich auch die Auftragslage im Vorjahresvergleich verschlechtert. Zwar schätzen 67 %, und damit die große Mehrheit der Betriebe, ihren Auftragsbestand für diese Jahreszeit als normal ein, aber immer-hin auch 23,6 % der Betriebe bilanzieren einen für die Jahreszeit unterdurchschnittlichen Auftragsbestand. Jedes fünfte Unternehmen (21 %) erwartet eine weitere rückläufige Entwicklung der Auftragslage.

Dennoch hat die Mehrzahl der Handwerksunternehmen weiterhin gut zu tun. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (56 %) berichten von einer fast vollständigen Auslastung. Die mittlere Betriebsauslastung liegt im Gesamthandwerk bei 84 %.

Die Mehrheit der Betriebe (87 %) meldet eine in den vergangenen Monaten konstant gebliebene beziehungsweise leicht gestiegene Beschäftigtenzahl. Dies dürfte bei der rückläufigen Umsatz- und Auftragsentwicklung nicht zuletzt auch aus dem derzeitig vereinfachten Zugang zum Kurzarbeitergeld resultieren.


Ein Blick in die einzelnen Branchen:

 

Bau- und Ausbauhandwerk:

Die Stimmung in der Baubranche ist gegenüber dem Vorjahr deutlich eingetrübt – und das liegt in aller erster Linie am pessimistischen Blick der Bauhandwerker in die nahe Zukunft. Aktuell bewerten 62 % der Betriebe im Bauhandwerk ihre derzeitige Geschäftslage als gut. Lediglich 11 % sprechen von schlechten Geschäftslagen. 26 % der Betriebe erwarten aber eine sich zukünftig verschlechternde Geschäftslage.

 

Handwerke für den gewerblichen Bedarf:

Im Branchenvergleich weisen die Handwerke für den gewerblichen Bedarf mit 107 Punkten das zweitschlechteste Geschäftsklima aus. Insgesamt beurteilen 34 % der Betriebe ihre derzeitige Lage als gut, während 44 % diese als befriedigend und 22 % als schlecht beurteilen. Mehr als ein Drittel der Unternehmen (35 %) vermelden Umsatzrückgänge.

 

Kfz-Handwerk:

Auch wenn mit 111 Punkten das Geschäftsklima noch nicht an das Vorjahresniveau heranreicht, ist im Kfz-Handwerk zumindest eine Verbesserung gegenüber dem Frühjahr zu beobachten. Mit einem Anteil von 85 % bewertet ein Großteil der Betriebe die derzeitige Geschäftslage als gut oder zumindest befriedigend.

 

Handwerke für den persönlichen Bedarf:

Da Friseure und Kosmetiker durch die Zwangsschließung im Frühjahr von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen waren, sank das Geschäftsklima gegenüber dem Vorjahr um deutliche zwölf Prozentpunkte. Beinah jeder dritte Betrieb beurteilt seine aktuelle Geschäftslage als gut, während 52 % diese als befriedigend und weitere 18 % als schlecht bewerten.

 

Lebensmittelhandwerke:

Das derzeitige Infektionsgeschehen führt zu einer zunehmenden Verunsicherung der Betriebe. In kaum einer anderen Branche sind daher die Erwartungen an die kommenden Monate so eingetrübt. Lediglich fünf Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage.

 

Gesundheitshandwerke:

Beurteilten im vergangenen Herbst 77 % der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, hat sich der Anteil in diesem Herbst um 27 Prozentpunkte reduziert. Zeitgleich melden 19 % der Betriebe eine derzeit schlechte Geschäftslage. Für die kommenden Monate sind die Erwartungen sehr verhalten.


 

Hintergrund:

Für ihre Konjunkturanalyse befragt die Handwerkskammer Dresden jeweils im Frühjahr und im Herbst ihre Mitgliedsbetriebe im Kammerbezirk Dresden. Dieser umfasst die Landeshauptstadt Dresden sowie die Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Für die aktuelle Befragung wurden im Zeitraum vom 1. September bis 1. Oktober insgesamt 3.665 der rund 22.500 Mitgliedsbetriebe befragt. Die Rücklaufquote betrug
18 Prozent.

 

Der Konjunkturbericht steht Ihnen unter www.hwk-dresden.de/konjunktur zum Download zur Verfügung.

 

 

Ansprechpartner

Daniel Bagehorn
Pressereferent

Telefon: 0351 4640-405
Fax: 0351 4640-34405
E-Mail schreiben

Peggy Michel
Pressereferentin

Telefon: 0351 4640-404
Fax: 0351 4640-34404
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Johanna Schade
Pressereferentin

Telefon: 0351 4640-446
Fax: 0351 4640-34446
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