Nur noch ein Drittel der Handwerksfirmen bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als gut – so wenige wie seit 16 Jahren nicht mehr. Es mangelt an Impulsen, die eine Trendwende hin zum Besseren einleiten. Auch die Erwartungen der Unternehmen sind gedämpft. Zwei Drittel der Unternehmen gehen von gleichbleibenden Geschäftslagen im nächsten Quartal aus, ein Fünftel ist pessimistisch und spricht von schlechteren Geschäften. Fast die Hälfte (42 Prozent) verzeichnet sinkende Umsätze. Dies sind die Ergebnisse der Konjunkturanalyse der Handwerkskammer Dresden für das Frühjahr 2026.
Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, nimmt die Ergebnisse zum Anlass, die Politik in die Pflicht zu nehmen: „Die Frühlingsbelebung ist ausgefallen. Stattdessen herrscht weiterhin Stagnation vor. Die aktuelle Lage verschärft den Reformdruck für die Politik. Sie muss diese Alarmsignale ernster nehmen. Jetzt ist die Zeit, Impulse zu setzen. Ein Weiter-so-wie-bisher wird die angespannte wirtschaftliche Lage weiter verschärfen. Daher müssen jetzt Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, die die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen stärken.“
Notwendig sind zum Beispiel Investitionen in die Infrastruktur. In einer Sonderumfrage der Handwerkskammer Dresden zur Bewertung der Verkehrsinfrastruktur in der Region bezeichnet ein Viertel der Unternehmen den aktuellen Zustand der Straßen als eher schlecht. Zehn Prozent sogar als sehr schlecht. Rund ein Drittel der Firmen beklagt eine erhöhte Stauanfälligkeit und stockenden Verkehr auf den Straßen. 29 Prozent der Handwerksfirmen haben wegen der aus ihrer Sicht schlechten Infrastruktur in den letzten 24 Monaten Aufträge in bestimmen Regionen oder Orten abgelehnt.
„Dies zeigt: Die marode Infrastruktur belastet das Handwerk bereits erheblich. Baustellenstaus, schlechte Straßen und kaputte Brücken kosten Zeit und Geld“, sagt Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Er betont: „Auch hier besteht Handlungsbedarf. Daher ist ein nachhaltiger Infrastrukturausbau notwendig sowie deutlich mehr Mittel für Werterhaltung und Sanierung von Straßen und Brücken. Die Verkehrswende gelingt nur mit einem starken Warenverkehr – und nicht gegen ihn.
Ergebnisse der Konjunkturanalyse für das Frühjahr 2026
Der Geschäftsklimaindex im ostsächsischen Handwerk steht aktuell bei
104 Punkten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Wert damit um drei Punkte verschlechtert. Die für die vergangenen Jahre typische Seitwärtsbewegung ohne nennenswerte Ausschläge nach oben und unten setzt sich damit fort. Anzeichen für eine Erholung der Lage fehlen weiterhin.
Lediglich ein Drittel der Handwerksbetriebe sehen ihre Geschäftslage aktuell als gut an, drei Prozentpunkte weniger als im Frühjahr 2025 und so wenige wie seit 16 Jahren nicht mehr. Der Anteil der Unternehmen mit schlechten Geschäftslagen steigt dagegen im Vorjahresvergleich um 5 Prozentpunkte auf
22 Prozent. Die Erwartungen sind weiterhin verhalten. Nur 17 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage, während 19 Prozent eine Verschlechterung voraussehen.
Die Umsatzentwicklung im Kammerbezirk Dresden hat sich verschlechtert. Wie im vergangenen Jahr melden 13 Prozent der Handwerksunternehmen steigende Umsätze, während der Anteil der Betriebe mit Umsatzrückgängen von 37 auf 42 Prozent steigt.
Ein ähnliches Bild gibt es bei der Auftragslage. Auch die Auftragsentwicklung ist im Saldo deutlich negativ. Der Anteil der Firmen mit steigendem Auftragseingang stagniert bei 13 Prozent, während 35 Prozent der Unternehmen von sinkenden Auftragseingängen berichten. Mehr als ein Drittel der Handwerksbetriebe bilanziert aktuell einen unterdurchschnittlichen Auftragsbestand.
Auch auf die Beschäftigungsentwicklung hat dies Auswirkungen. Zwar versuchen die Firmen ihre Angestellten zu halten, aber die konjunkturelle Lage und der demografischen Entwicklung – also das Ausscheiden Älterer aus dem Erwerbsleben – führen zu einem leichten Rückgang der Beschäftigtenzahlen. 19 Prozent der Betriebe berichten von sinkenden Beschäftigtenzahlen, lediglich acht von steigenden. Die Mehrheit der Handwerksbetriebe hält ihr Personalkern.
Ein Blick auf die Einkaufs- und Verkaufspreise zeigt, dass sich die Preisspirale wieder kräftiger dreht. 77 Prozent der Unternehmen berichten von gestiegenen Einkaufspreisen, 47 Prozent von gestiegenen Verkaufspreisen. Die im Zuge des Iran-Krieges gestiegenen Preise für Energie und unterbrochenen Lieferketten, könnten weitere Preisschübe folgen lassen.
Dies ist ein weiterer Grund mehr, warum die Firmen bei Investitionen weiterhin sehr zurückhaltend agieren. Ohne Aussicht auf eine konjunkturelle Belebung und mit der Unsicherheit bei der Kostenentwicklung investieren die Firmen oftmals nur das nötigste. 44 Prozent der Befragten haben ihre Investitionen zurückgefahren. Nur neun Prozent wollen sie ausweiten.
Die komplette Konjunkturanalyse finden Sie unter: www.hwk-dresden.de/konjunktur
