Geflüchtete absolvieren Integrationsprojekte

© Handwerkskammer Dresden

Geflüchtete absolvieren Integrationsprojekte

Handwerkskammer Dresden und Agentur für Arbeit Dresden ziehen erste Bilanz zu gemeinsamen Pilotprojekten

10.02.2017

„Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hin will.“ – Getreu diesem Motto aus der Imagekampagne des Handwerks beteiligt sich die Handwerkskammer Dresden seit Juli 2016 am Projekt „Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk“ (kurz PerjuF-H) der Bundesagentur für Arbeit. 24 Geflüchtete zwischen 18 und 25 Jahren aus den Ländern Eritrea, Somalia, Afghanistan, Syrien, Pakistan, Marokko und Indien erhielten in diesem Rahmen sechs Monate lang bei der Handwerkskammer Dresden und ihren Projektpartnern* umfassende Einblicke in das deutsche Ausbildungssystem und verschiedene Handwerksberufe. Zudem bekamen sie einen Tag pro Woche vertiefenden Deutschunterricht sowie Einblicke in landeskundliche Aspekte. Am Ende stand für alle Teilnehmer ein sechswöchiges Praktikum in einem Handwerksbetrieb in und um Dresden auf dem Programm.

„Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte über die Agentur für Arbeit in Dresden und Pirna sowie die jeweiligen Jobcenter“, erläutert Andreas Finke, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Dresden. „Neben handwerklichem Interesse sind ein gesicherter Aufenthaltsstatus, ein erfolgreich absolvierter Integrationskurs sowie gute Deutschkenntnisse Voraussetzung für eine Teilnahme an dem Projekt.“

„Nach Ende des Pilotkurses können wir ein positives Fazit ziehen: Alle Teilnehmer haben das Projekt beendet. Zudem haben wir sowohl von unseren Ausbildern als auch von den Betrieben die Rückmeldung, dass die jungen Männer die Aufgabenstellungen gut umgesetzt hätten, fleißig und höflich sind. Bei einigen gibt es jedoch noch Sprachbarrieren, Probleme mit der Zuverlässigkeit sowie unzureichende Kenntnisse in den mathematisch-technischen Fächern“, so Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden.

Nächste Etappe: Projekt "BOF" bis Anfang April

Um das im Rahmen von „PerjuF-H“ erworbene Wissen weiter zu vertiefen, begann im Januar die 13-wöchige Anschlussmaßnahme „Berufsorientierung für Flüchtlinge“ (kurz BOF) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, an der 18 der „PerjuF-H“-Absolventen sowie fünf weitere Geflüchtete mit entsprechenden Vorkenntnissen teilnehmen. Ging es bei „PerjuF-H“ noch darum, zunächst einen Überblick über die verschiedenen Handwerksberufe zu erhalten, werden die Teilnehmer nun bei der Handwerkskammer Dresden und ihren Projektpartnern* gezielt auf einen Handwerksberuf ihrer Wahl vorbereitet. Begleitend findet wieder an einem Tag pro Woche Deutsch- und Landeskundeunterricht statt. Auch hier steht am Ende ein vierwöchiges Praktikum (ab 14. März) in einem Handwerksbetrieb aus Dresden oder dem Umland.

„Ziel ist es, dass die Teilnehmer im Spätsommer eine Ausbildung im ostsächsischen Handwerk beginnen können“, so Andreas Brzezinski. „Dafür werden die jungen Männer vier Wochen vor dem Ende von BOF ein persönliches Gespräch mit dem zuständigen Sozialpädagogen und dem Betreuer der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters führen, um ihre sprachlichen Fortschritt und ihre konkret erworbenen Fähigkeiten zu erläutern. Im Anschluss wird entschieden, welche Optionen für den jeweiligen Teilnehmer bis zum Beginn der Ausbildung sinnvoll sind“, ergänzt Andreas Finke.

Status quo bei der Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt

„Unser Credo lautete von Anfang an, dass wir im Handwerk jeden willkommen heißen, der über die entsprechenden Sprachkenntnisse und eine gute schulische Bildung verfügt. Dies hat sich nach den Erfahrungen in den vergangenen Monaten bewährt“, so Andreas Brzezinski und verweist auf 28 Geflüchtete, die 2016 im Kammerbezirk Dresden eine Ausbildung im Handwerk begonnen haben. „Ein weiterer großer Hemmschuh für unsere Betriebe, die gern einen Flüchtling ausbilden bzw. beschäftigen wollen, ist der unsichere Rechtsstatus und die damit verbundene unsichere Bleibeperspektive. Mehr lässt sich an dieser Stelle noch nicht sagen, da ein Großteil der Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt aktuell noch nicht zur Verfügung steht und damit auch die Praxisbeispiele fehlen.“

„Bereits diese erste Maßnahme im Projekt PerjuF-H hat gezeigt, dass es wichtig ist, motivierte und engagierte Teilnehmer auszuwählen, denn nur dann kann ein erfolgreicher Abschluss gewährleistet werden. Unsere Beraterinnen und Berater werden für die im April beginnende Maßnahme wieder zahlreiche individuelle Beratungsgespräche führen, so dass diese erneut mit Maximalbesetzung starten kann. Wenn die jungen Geflüchteten gemeinsam im Projekt arbeiten und sehen, was man dadurch erreichen kann, ist das nicht nur lehrreich, sondern auch motivierend und stärkt den Willen zur beruflichen Integration", so Andreas Finke.

Weitere Maßnahmen der Handwerkskammer Dresden bei der Integration

Nach dem Auftakt in 2016 plant die Handwerkskammer Dresden den Start von zwei neuen „PerjuF-H“-Kursen ab April und – je nach Bedarf – einem weiteren ab Juli sowie die dazugehörige „BOF“-Maßnahme jeweils im Anschluss. Zudem übernimmt die Kammer die administrative Betreuung einer „BOF“-Maßnahme des BFW Bau Sachsen / ÜAZ Bautzen ab März.

Um Flüchtlinge und Handwerksbetriebe zusammenzubringen, gibt es zudem seit Mai 2016 eine Willkommenslotsin in der Handwerkskammer Dresden. Sie berät Betriebe zu rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Aufnahme von Flüchtlingen, zeigt Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten und ist auf der anderen Seite erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, die gern im Handwerk eine Ausbildung beginnen oder arbeiten möchten. Dieses Angebot wird rege genutzt.

Zudem bietet die Handwerkskammer Dresden eine einwöchige Kompetenzfeststellung in verschiedenen Berufen für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive an. Dabei testet ein erfahrener Ausbilder die vorhandenen beruflichen Kenntnisse und erstellt abschließend eine Empfehlung für weitere Handlungsoptionen.

 

* Partner der Handwerkammer Dresden bei der Durchführung von
„PerjuF-H“ und „BOF“: Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks, Elektrobildungs- und Technologiezentrum e. V. Dresden, BFW Bau Sachsen e.V. / ÜAZ Dresden sowie Gebäudereinigerinnung Chemnitz/Dresden im Freistaat Sachsen und Friseurinnung Dresden

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