Zwei Tiere, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Ein schönes Bild. Und vielleicht eines, das gerade im Handwerk zum Nachdenken anregt.
In seinem Vortrag vergleicht Prof. Dr. Hille die unterschiedlichen Generationen mit Tieren und beschreibt die Generation Z als Schmetterlinge: Sie wollen gesehen, wahrgenommen und bewundert werden. Die Babyboomer hingegen werden mit Wölfen verglichen – ausdauernd, durchsetzungsstark und nicht selten mit einer ganzen „Armee“ hinter sich. Ein ungewöhnliches Bild aber eines, das zum Nachdenken anregt: Was passiert, wenn Wölfe mit Schmetterlingen sprechen?
Ein Vortrag, der die Zuhörer in den Bann zog
Die Kreishandwerkerschaft Görlitz hatte zum Thementag „Generation Z entschlüsselt: Praktische Impulse zur Generationenarbeit in Ausbildung, Mitarbeiterführung und bei der Betriebsübergabe“ eingeladen. Nicht nur Handwerksbetriebe sind der Einladung gefolgt.
Zunächst nahm Prof. Dr. Hille die Anwesenden mit auf eine kurzweilige Reise in die Lebens- und Arbeitswelt der unterschiedlichen Generationen. Die Aufmerksamkeit war entsprechend groß – man hätte beinahe eine Stecknadel zu Boden fallen hören können.
Bevor es in den gemeinsamen Austausch und eine anschließende Fragerunde ging, wurden die Anwesenden aufgefordert, von ihren eigenen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Generationen im Betrieb zu berichten. Schnell wurde deutlich: Die Generation Z lässt sich nicht einfach mit einigen wenigen Schlagworten beschreiben. Vielmehr spielen gesellschaftliche Entwicklungen, veränderte Lebenswelten, neue Kommunikationsformen und unterschiedliche Vorstellungen von Arbeit und Führung eine wichtige Rolle.
Gerade für Ausbildungsbetriebe und Handwerksunternehmen ergeben sich daraus zahlreiche Fragen und neue Herausforderungen.
Generationskonflikte entstehen immer dann, wenn Unterschiede als Wertung interpretiert werden. Keine Generation ist besser oder schlechter, vielmehr haben sich die Menschen anders sozialisiert und unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Genau darin liegt aber die Chance zur Entwicklung.
Unterschiedliche Kompetenzen stehen sich nicht gegenüber. Wenn Erwartungen und Rollen klar sind, können sie sich gewinnbringend ergänzen.
„Es geht nicht darum, wer gewinnt. Es muss darum gehen, gemeinsam gute Arbeit zu leisten und auch darauf zu achten, dass die Menschen gesund bleiben.“
Natürlich müssen Probleme konsequent angesprochen werden. Aber nur darüber zu sprechen, was schlecht läuft, wird vermutlich kaum dazu führen, besser zu werden.
Generationenübergreifendes Arbeiten muss dennoch keine große Managementstrategie sein. Es beginnt oft mit kleinen Veränderungen im Alltag:
- Erwartungen aussprechen: Nicht voraussetzen, dass jeder weiß, was gemeint ist. Klar sagen, was erwartet wird – und warum.
- regelmäßig miteinander sprechen: Nicht erst dann, wenn etwas schiefgelaufen ist. Kurze, regelmäßige Gespräche können viel verhindern.
- Verantwortung geben: Junge Menschen wollen nicht nur Anweisungen ausführen. Gebt ihnen Aufgaben, an denen sie wachsen können.
- Fehler gemeinsam auswerten: Nicht sofort den Schuldigen suchen. Erst verstehen, was passiert ist.
- Erfahrung weitergeben: Erfahrung ist ein Schatz. Aber sie wird wertvoller, wenn man sie teilt, statt sie als Hierarchievorteil einzusetzen.
- neue Ideen zulassen: Nicht jede neue Idee ist gut. Aber ohne neue Ideen wird irgendwann auch nichts mehr besser.
- voneinander lernen: Der Auszubildende kann dem Meister etwas über digitale Werkzeuge zeigen. Der Meister kann dem Auszubildenden zeigen, wie man einen Kunden richtig einschätzt.
- Ziele gemeinsam formulieren: Menschen entwickeln sich leichter, wenn sie wissen, wohin die Reise geht.
Am Ende des Abends steht der Appell an „beide Seiten“, offen und wertfrei aufeinander zuzugehen. Es geht nicht darum, wer besser ist – es muss darum gehen, wie man gemeinsam gut zusammenarbeiten kann. Das Handwerk lebt seit jeher davon, dass Generationen ihre Erfahrungen weitergeben. (Noch) ungewohnt ist vielleicht, dass der Wissenstransfer keine Einbahnstraße mehr sein darf.