Erfolgreiche Unternehmensnachfolge im Handwerk

Drei Wege. Ein Ziel!

Wie hast du es gemacht? Im Mittelpunkt der Dialogveranstaltung in der Kreishandwerkerschaft Görlitz standen nicht theoretische Modelle, sondern die persönlichen Erfahrungen von drei Menschen, die einen Handwerksbetrieb übernommen haben – und dabei ganz unterschiedliche Wege gegangen sind.

Der Saal füllt sich. Gekommen waren weit mehr als erwartet. Mitunter mit langen Anreisewegen. Auf dem Podium begrüßt Andreas Leidig, Betriebswirtschaftlicher Berater der Handwerkskammer Dresden seine Gesprächsgäste - Geschäftsführerin Viviane Beier von der Kälte- und Klimaservice Beier GmbH, Frau Sara Szcepanik, die jüngst die Schnellreinigung im Görlitzer Neiße-Park übernommen hat und den Elektromeister Mathias Nowotny von der Görlitzer Firma Zedel-Elektro. Mit einer Übernahme innerhalb des bestehenden Unternehmens, einer externen und einer familiären Nachfolge ist das Podium passend besetzt.

Impressionen zum Podiumsgespräch in der Kreishandwerkerschaft Görlitz

Persönliche Motivation und die Suche nach dem passenden Betrieb

Der lockere Einstieg ins Gespräch gelingt über die persönlichen Beweggründe für eine Übernahme im Handwerk. Was hat die drei Nachfolger dazu bewegt, Verantwortung für einen bestehenden Betrieb zu übernehmen? Und warum fiel die Entscheidung auf eine Übernahme statt auf eine Neugründung?

Schnell wird deutlich, dass bei der Suche nach einem passenden Unternehmen ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Familiäre Umstände können es sein oder auch der Wunsch nach Veränderung und Entwicklung. Andreas Leidig hat in seinen vielen Jahren der Nachfolgeberatung sicher schon viel erlebt, aber jetzt schaut auch er verwundert. Ein handgeschriebener Zettel mit den Worten „Nachfolge gesucht!“ war bei Sara Szcepanik der Grund, ein „neues Kapitel“ in ihrem Leben zu öffnen. Schon immer verspürte sie diese innere Unruhe und den Drang etwas Eigenes aufbauen zu wollen; im Nebenerwerb übernimmt sie die Schnellreinigung „Kleenothek“ im Görlitzer Neiße-Park. Mit einem Vollzeitjob und vier Kindern in einer Patchworkfamilie.

Manchmal muss man dem Glück Raum geben. Die Geschichten zeigen eindrucksvoll: „Den einen Weg“ zur erfolgreichen Unternehmensübernahme gibt es nicht.

Neben wirtschaftlichen Kennzahlen sind oft Unternehmenskultur, Mitarbeitende, Kundenstamm, Entwicklungspotenziale und die eigene fachliche und persönliche Perspektive entscheidend. Ein passendes Unternehmen zu finden, braucht in der Regel Zeit und ein gutes Netzwerk. Und manchmal etwas Glück.

Zwischen Zahlen, Bauchgefühl und Vertrauen

Ein weiterer Schwerpunkt in der Diskussion lag auf der Bewertung des Unternehmens und dem eigentlichen Übernahmeprozess, der von der Handwerkskammer umfänglich unterstützt wird.

Wie wird der Zustand eines Betriebs eingeschätzt? Wo liegen Chancen und Risiken? Wie lange dauert eine Übergabe – und welche Hürden müssen auf dem Weg genommen werden?

Nicht selten vergehen fünf bis sieben Jahre. Nicht immer gelingt der erste Versuch.

Neben Kaufpreis und Finanzierung wird immer wieder betont: Ein vertrauensvoller Umgang und eine offene Kommunikation sind bei der Nachfolge das A und O.

Die Beziehung zwischen Übergeber und Nachfolger kann maßgeblich zum Gelingen des Prozesses beitragen. Ebenso wichtig sind kompetente Begleiter. Banken, Berater, Familie und das persönliche Umfeld können gerade in schwierigen Phasen wichtige Unterstützung leisten.

„Irgendwann war die Entscheidung gefallen. Der Erste Schritt war der Kontakt zur Handwerkskammer.“

Viviane Beier, Kälte- und Klimaservice Beier GmbH

Nach der Übernahme: Bewahren und verändern

Spannend wurde es bei der Frage, was nach der Übernahme als Erstes verändert wurde – und was bewusst unangetastet blieb. Denn eine erfolgreiche Nachfolge bedeutet nicht automatisch, alles neu zu machen. Die Übergabe eines Lebenswerkes ist für viele Inhaber ein sehr sensibler Prozess. Das Loslassen ist etwas, was nicht erlernt werden konnte.

Die Erfahrungen der drei Nachfolger machen deutlich: Veränderungen brauchen Fingerspitzengefühl. Mitarbeitende, Kunden und auch der bisherige Inhaber müssen sich an die neue Situation gewöhnen. Gleichzeitig bietet eine Übernahme die Chance, neue Ideen einzubringen und den Betrieb zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Mut, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen sind wichtige Voraussetzungen; gleichzeitig sollte eine Nachfolge gut vorbereitet, realistisch bewertet und nicht allein bewältigt werden.

Die Dialogveranstaltung zeigte damit vor allem eines: Unternehmensnachfolge ist eine große Herausforderung – aber auch eine große Chance. Wer einen bestehenden Handwerksbetrieb übernimmt, übernimmt nicht nur ein Unternehmen, sondern auch Verantwortung für Mitarbeitende, Kunden und eine gewachsene Geschichte. Mit guter Vorbereitung, den richtigen Partnern und einer klaren eigenen Vision kann daraus eine erfolgreiche Zukunft entstehen. Denn Handwerk hat bekannterweise goldenen Boden.

Bei Fragen wenden Sie sich gern an unsere Betriebswirtschaftlichen Berater. Wer den Einstieg in das Thema der Nachfolge, der Übernahme oder der Gründung im Handwerk eher im Dialog und im gegenseitigen Austausch sucht, ist herzlich zu den Veranstaltungen des Projektes „SelbstständigLausitz“ der Handwerkskammer Dresden eingeladen.