"Die handwerklichen Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum müssen aufrechterhalten werden.“ Das fordert Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden mit Blick auf das kommende Jahr. Hintergrund sind die sinkenden Betriebszahlen in den Dörfern und kleineren Städten. Demnach haben die vier Landkreise im Kammerbezirk in den letzten fünf Jahren 1.602 Unternehmen verloren. Besonders deutlich ist der Schwund im Landkreis Görlitz (minus 867 Handwerksbetriebe).
„Die wirtschaftliche Lage im Handwerk ist sehr angespannt. Das geht aus den letzten Konjunkturumfragen hervor“, sagt Andreas Brzezinski. „Neue Jobs in der Großindustrie, die häufig in oder in der Nähe von Großstädten entstehen, werden mittlerweile mit knapp einer Million Euro je Arbeitsplatz gefördert. Das sächsische Handwerk auf dem Land, was mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet, kann davon nur träumen. Das ist ein Ungleichgewicht, das muss sich im Jahr 2026 ändern.“
In Zukunft müssen sämtliche Maßnahmen der Landesregierung darauf ausgerichtet sein, gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land zu schaffen. Grundsätzlich gehören dazu die Gleichbehandlung aller Wirtschaftsbereiche, ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr, schnelles Internet und eine gute soziale Infrastruktur für Familien, damit die stadtfernen Regionen attraktiv vor allem für junge Menschen bleiben.
Darüber hinaus gibt es aber auch handwerksspezifische Forderungen, um die ländlichen Regionen zu stärken. Dazu zählen:
- Berufliche Bildung in der Fläche stärken. Wohnortprinzip beibehalten
Gerade im ländlichen Raum ist die wohnortnahe Erreichbarkeit von Berufsschulzentren ein entscheidender Faktor für die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und die Wahl eines Ausbildungsberufs durch junge Menschen.
- Zuschuss für Auszubildende beim Führerschein
Der Führerschein ist auf dem Land zwingend notwendig, damit die Jugendlichen zum Betrieb, in die Berufsschule und auf die Baustelle kommen.
- Anreize für Unternehmensnachfolgen schaffen
Viele Handwerksbetriebe schließen, weil sie keinen Nachfolger finden. Immer seltener gelingt die Übergabe innerhalb von Familien. Häufig müssen externe Übernehmer gefunden werden, die mit (finanziellen) Anreizen in ländliche Regionen „gelockt“ werden könnten.
