Die Selbstständigkeit war für Maxi Plauschinat ein kleines Weihnachtswunder

Friseurmeisterin wechselte aus der Elternzeit direkt in die eigene Existenz

Mehr als 5.000 Handwerksbetriebe in Ostsachsen suchen in den kommenden Jahren einen Nachfolger. Das gestaltet sich vor allem im ländlichen Raum immer schwieriger. Bei Maxi Plauschinat war es anders. Die Friseurmeisterin war Ende 2024 in Elternzeit und suchte nach einer beruflichen Perspektive. Da kam das Angebot, den Salon „Friseur Frischke“ in dem kleinen Ort Rietschen (Landkreis Görlitz) zu übernehmen. „Ich brauchte nicht lange zu überlegen und die Sache war geritzt“, erzählt die 31-Jährige. „Für mich war es wie ein kleines Weihnachtswunder.“ Und für Rietschen auch, denn der Friseursalon ist der einzige im Dorf.

Maxi Plauschinat ist Mutter von zwei Söhnen (3 und 10 Jahre). Im April erwartet sie ihr drittes Kind – ein Mädchen. Das macht die Familienplanung komplett. Ihr Mann ist Berufssoldat in Burg bei Magdeburg und die gesamte Woche über nicht da. Doch wie kann sie die Selbstständigkeit und die nahezu alleinige Kindererziehung stemmen? „Das geht ganz gut“, sagt sie. Zwei Mitarbeiterinnen hatte sie im Zuge der Nachfolge, die im Mai 2025 abgeschlossen wurde, übernommen. „Auf sie kann ich mich total verlassen.“ Sie gehen in Schichten arbeiten, sodass die Öffnungszeiten (Montag bis Samstag) im Laden abgedeckt werden und die Unternehmerin ihre Kinder abholen kann.

Die Familienzeit leidet dennoch unter der 24/7-Belastung. Buchhaltung, Warenbestellung, Bürokratie und Ideen für neue Geschäftsfelder sind neben der handwerklichen Arbeit auch zu erledigen. Maxi Plauschinat beschwert sich nicht. Sie macht einfach. Diese Einstellung zieht sich durch ihr gesamtes Leben.

Mit 16 Jahren ging sie von zu Hause weg und zog in den Schwarzwald, kurze Zeit später nach Leipzig und dann nach Weißwasser, wo sie ihre Ausbildung absolvierte. Anfang 2022 trat ein schwerer Schicksalsschlag in ihr Leben. Ihre Mutter verstarb. Maxi Plauschinat brauchte dringend eine Ablenkung und stürzte sich in die Meisterschule in Vollzeit. Und nun die eigene Existenz.

„Wirtschaftlich bin ich vollauf zufrieden“, bilanziert die Unternehmerin. Die Kennzahlen liegen im Businessplan. Den hatte sie in anderthalb Monaten komplett allein auf die Beine gestellt und die Bank damit überzeugt. Nach der Betriebsübernahme peppte sie den Salon mit frischen Farben und neuen Stühlen optisch auf. Der Name wurde in „Haarwerk“ geändert. Neben den Stammkunden wurden auch neue, jüngere Kunden hinzugewonnen. Die fühlen sich im Haarwerk wohl, wenn man auf die Google-Bewertungen schaut. Fünf Sterne werden da vergeben. „Ich bin stolz auf das bisher Erreichte“, sagt Maxi Plauschinat. Sie hat noch einige Ideen im Kopf, die sie künftig umsetzen will.

Zuerst aber steht die Geburt ihrer Tochter im Frühjahr an. Als Unternehmerin hat sie kaum finanziellen Schutz. Im Koalitionsvertrag steht zwar drin, dass sich das ändern soll. Passiert ist aber bisher noch nichts. Daher plädiert die Handwerkskammer Dresden dafür, allen werdenden Müttern, egal ob sie selbstständig oder abhängig beschäftigt sind, Mutterschutzzeit rund um die Geburt einzuräumen und sie entsprechend finanziell abzusichern.

„Ich bin stolz auf das bisher Erreichte.“

Friseurmeisterin Maxi Plauschinat

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