Sicherheitslage in der Grenzregion: Handwerksbetriebe beklagen mangelnde Sicherheit

Sicherheitslage in der Grenzregion: Handwerksbetriebe beklagen mangelnde Sicherheit

5. Umfrage der Kammern Dresden und Cottbus / Diebstähle größtes Problem / Polizeipräsenz als zu gering bewertet

09.09.2015

Die gefühlte Sicherheitslage in den grenznahen Regionen ist aus Sicht der Handwerksbetriebe nach wie vor angespannt. Das geht aus der fünften gemeinsamen Umfrage der Handwerkskammern Dresden und Cottbus hervor, die am 9. September parallel in Dresden und Cottbus vorgestellt wurde.

Demnach bewerten in Ostsachsen 42 Prozent (2014: 40 Prozent) die Lage mit schlecht. Damit hat sich die gefühlte Sicherheitslage in Ostsachsen weiter eingetrübt.

Bei Betrachtung der einzelnen Gewerke im Kammerbezirk Dresden fällt auf, dass erneut die Handwerker aus dem Kraftfahrzeuggewerbe mit der Sicherheitslage am unzufriedensten sind (65 Prozent) – obwohl sich die Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr (67 Prozent) leicht verbessert haben. Auf Seiten des Ausbaugewerbes und der Betriebe des gewerblichen Bedarfs schätzen 46 Prozent bzw. 54 Prozent die Sicherheitslage als schlecht ein. Am besten bewerten die Bauhandwerker die Sicherheitslage in ihrer jeweiligen Region, nur 34 Prozent gaben eine schlechte Bewertung ab.

Vor allem die Handwerksbetriebe aus dem Landkreis Görlitz (67 Prozent) und dem Landkreis Bautzen (45 Prozent) sind mit der Sicherheitslage unzufrieden. Diese Stimmung schlägt sich jedoch nicht in der Bewertung der Polizeipräsenz nieder. Hier gibt es die schlechtesten Bewertungen von den Dresdner Betrieben. 64 Prozent schätzen die Anwesenheit von Polizeikräften in der Landeshauptstadt als zu gering ein. Im Landkreis Görlitz sind es 59 Prozent, im Landkreis Bautzen 61 Prozent.

Nahezu alle befragten Unternehmer (94 Prozent) sehen die größten Probleme bei Diebstählen, insbesondere von Kraftwagen/Baufahrzeugen und/oder -teilen/-geräten. 37 Prozent der Befragten waren im Erhebungszeitraum zwischen Juni 2014 und Juni 2015 von einer Straftat betroffen, wobei die meisten davon auf das Kraftfahrzeug- (45 Prozent) und das Ausbaugewerbe (44 Prozent) fielen. Insgesamt meldeten im Befragungszeitraum 62 Betriebe einen wirtschaftlichen Schaden von 417.350 Euro, wobei der tatsächliche finanzielle Verlust durch folgende Produktionsausfälle höher sein dürfte. Die durchschnittliche Schadenssumme liegt bei rund 6.700 Euro (2014: 13.500 Euro). Differenziert nach Gewerken meldeten die Unternehmen des Bau- und Kfz-Gewerbes sowie des Gerbwerblichen Bedarfs die höchsten absoluten Schadenssummen.

Zum Schutz vor kriminellen Delikten in den Grenzregionen gaben 71 Prozent der befragten Betriebe an, entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen zu haben. Dazu investierten sie vor allem in Sicherheitsschlösser/-türen/-verglasung (64 Prozent), Alarmanlagen (44 Prozent) und Wegfahrsperren in den Firmenfahrzeugen (36 Prozent). Immer mehr Unternehmen setzen zusätzlich auf einen Wachdienst auf dem Firmengelände.

Zum Thema sagt Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden: „Damit das Handwerk auch in Zukunft eine tragende Säule regionaler Wertschöpfungsprozesse bleibt, muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Wahrung der inneren Sicherheit.“

Ergebnisse im Kammerbezirk Cottbus

Ein insgesamt etwas besseres Bild zeichnen die Umfrageergebnisse der Handwerkskammer Cottbus. Bei den südbrandenburgischen Betrieben hat sich die gefühlte Sicherheitslage weiter verbessert: 44 Prozent (2014: 50 Prozent) bewerten die Situation als negativ. Besonders kritisch sehen die Lage die befragten Unternehmen im Landkreis Spree-Neiße (68 Prozent) und in der Stadt Cottbus (65 Prozent). Diese Stimmung schlägt sich auch in der Bewertung der Polizeipräsenz nieder: 70 Prozent der Cottbuser Betriebe schätzen die Anwesenheit von Polizeikräften als zu gering ein.

Hinsichtlich der Delikte sahen die Unternehmen im Kammerbezirk Cottbus analog zum Vorjahr Diebstähle als größtes Problem. Besonders betroffen von Straftaten waren Betriebe des Bauhaupt- und des Kraftfahrzeuggewerbes (jeweils 56 Prozent). Insgesamt meldeten 59 Unternehmen eine zusammengefasste Schadenssumme von 1,1 Millionen Euro, wobei auch hier der tatsächliche finanzielle Verlust durch folgende Produktionsausfälle höher sein dürfte.

Dazu Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus: „Die Sorge um die Kriminalität im Cottbuser Kammerbezirk ist trotz Anstrengungen der Polizei immer noch groß. Es geht um wirtschaftlichen Schaden und damit letztlich auch um Arbeitsplätze und um die Existenz von Unternehmen.“

Forderungen des Handwerks

Aus den Ergebnissen der fünften gemeinsamen Umfrage zur Sicherheit in den Grenzregionen stellen die Handwerkskammern Dresden und Cottbus folgende konkrete Forderungen auf:

  1. Die Durchführung verdachtsunabhängiger Personenkontrollen ist zum Zwecke der vorbeugenden Bekämpfung der Kriminalität und zur Erhöhung der Polizeipräsenz im grenznahen Raum zu Polen und Tschechien zu verstetigen. Die Stellenzahl bei Polizei und Justiz ist dem Gefahrenpotenzial anzupassen. Hierzu gehört auch eine entsprechende Ausstattung (wie z. B. automatische Kennzeichenlesegeräte, interaktive Funkstreifenwagen etc.).
  2. Es gilt, ein landeseigenes Förderprogramm aufzulegen, das Investitionen in betriebliche Sicherheitsmaßnahmen bezuschusst.
  3. Die Sicherheitspartnerschaft zwischen Politik, Polizei, Justiz, Verwaltung und Handwerk sollte weiter gestärkt werden.
  4. Die Vereinbarungen des neuen deutsch-polnischen Polizeiabkommens sind schnell und wirksam umzusetzen.
  5. Speziell für Sachsen: Die Sächsische Staatsregierung und Polizei Sachsen sind aufgerufen, die Wirksamkeit der Polizeireform „Polizei.Sachsen.2020“ grundlegend zu überprüfen.

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