Konjunktur: Stimmung im ostsächsischen Handwerk ungebrochen gut

© Handwerkskammer Dresden

Konjunktur: Stimmung im ostsächsischen Handwerk ungebrochen gut

Dittrich: „Gute Wirtschaftslage muss Ansporn für Bund und Land sein, mehr für Infrastruktur zu tun!“

11.05.2016

Der positive konjunkturelle Trend im ostsächsischen Handwerk setzt sich fort. Nachdem vor einem Jahr ein Abflauen der konjunkturellen Stimmung zu spüren war, knüpfen die Einschätzungen des Handwerks in der aktuellen Frühjahrskonjunkturanalyse der Handwerkskammer Dresden an die sehr guten Werte aus dem Herbst 2015 an. So liegt der Geschäftsklimaindex mit 42 Punkten (vgl. Frühjahr 2015: 33 Punkte / Herbst 2015: 45 Punkte) auf einem ähnlichen Wert wie vor zwei Jahren, als die besten Frühjahrsergebnisse erreicht wurden.„Es ist ein ganz wichtiges Signal, dass dem Handwerk solch ein guter Start ins Wirtschaftsjahr gelungen ist. Wir bewegen uns damit wieder auf dem Niveau von vor zwei Jahren. Der Stimmungsabschwung im Frühjahr 2015 war somit wirklich eine Ausnahmeerscheinung“, so Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. „Das Handwerk hat entsprechend vorgelegt. Nun ist die Politik am Zug, die positive Stimmung in der Wirtschaft weiter am Pulsieren zu halten.“

Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, hat dabei vor allem Erhalt und Ausbau der Verkehrs- und Breitbandinfrastruktur im Blick: „Gut ausgebaute Straßen-, Schienen- und Breitbandnetze sind ein zentraler Standortfaktor für den Erhalt und die Steigerung der ökonomischen Leistungsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft im nationalen und internationalen Wettbewerb. Sicher stellen die flächenmäßigen Dimensionen unseres Bundeslandes eine besondere Herausforderung dar. Die gute Wirtschaftslage muss für den Bund und den Freistaat Sachsen aber dennoch Ansporn sein, an dieser Stelle aktiv zu werden, sonst vergeben wir unseren Wettbewerbsvorteil.“

Konkret hat das ostsächsische Handwerk Folgendes im Blick:

1.   Verkehrsinfrastruktur in Sachsen

Rund 1.800 Kilometer des insgesamt 4.500 Kilometer umfassenden Straßennetzes, über das der Freistaat Sachsen verfügt*, sind in einem sehr schlechten und weitere 1.000 Kilometer in einem schlechten Zustand. Lediglich 780 Kilometer gelten als sehr gut. Das beweist ganz klar, dass von nun an konsequent in den Erhalt der sächsischen Straßeninfrastruktur investiert werden muss. Die Handwerkskammer Dresden schließt sich ausdrücklich den Forderungen des Sächsischen Rechnungshofs an, das Straßennetz auf seine zur Funktion notwendige Größe zu beschränken, Erhaltung vorrangig vor Neubau zu verfolgen, den Nachholbedarf bei der Erhaltung abzubauen und ein systematisches Erhaltungsmanagement aufzubauen.

Mit Blick auf den im März von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorgestellten Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP) zeigt sich das ostsächsische Handwerk zufrieden, dass mit der B 169 und der B 178n jene Projekte berücksichtigt wurden, die maßgeblich über die zukünftige Anbindung ganzer Landstriche entscheiden, aber auch die wichtigen Ortumfahrungen in Pirna oder Ottendorf-Okrilla bedacht wurden. Ziel des Freistaates muss es nun sein, dass dies so bleibt. Zudem braucht Sachsen ein klares Signal vom Bund bei der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Dresden und Prag. Diese ist noch nicht abschließend im BVWP enthalten ist, sondern nur als Vorhaben des potentiellen Bedarfs. Dabei wird diese Verbindung – ähnlich wie die Anbindung der Stadt Chemnitz an das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn, die bisher überhaupt im nicht berücksichtigt wurde – über die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Sachsen mitentscheiden und sollte daher den Status „vordringlicher Bedarf“ erhalten.

2.   Breitbandausbau in Sachsen

Trotz millionenschwerer Förderprogramme kommt der Breitbandausbau in Sachsen nicht voran. Gerade einmal 48 Prozent der sächsischen Haushalte verfügten 2015 über einen Breitbandanschluss mit einer Übertragungsrate von mehr als 50 Mbit/s. Damit gehört der Freistaat im nationalen Vergleich zur Schlussgruppe. Zumal dies vornehmlich für die drei Oberzentren Chemnitz, Dresden und Leipzig gilt. Der ländliche Raum ist abgeschlagen. Dabei nimmt die digitale Infrastruktur eine immer wichtigere Rolle ein. Die Digitalisierung ist der Schlüssel in eine erfolgreiche Zukunft – insbesondere für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Handwerks im ländlichen Raum (Erschließung neuer Vertriebswege und Kundengruppen) sowie für die Attraktivität der Betriebe bei jungen Fachkräften sind leistungsfähige Breitbandverbindungen von mehr als 50 Mbit/s entscheidend. Dies gilt ebenso für den betrieblichen Kontext (z. B. Optimierung der Prozesse, Geschwindigkeit von Softwareupdates, Auslagerung von Daten oder Prozessen in die Cloud, elektronische Vergabeverfahren, Interaktion mit Partnern, Großkunden und Lieferanten). Ziel muss es sein, bis 2025 einen flächendeckenden Ausbau auf eine 100-Mbit/s-Übertragungsrate zu gewährleisten, damit das Handwerk auf dem internationalen Datenhighway nicht auf die Standspur gedrängt wird.

 

Weitere Ergebnisse der Frühjahrskonjunkturanalyse

49 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre gegenwärtige Geschäftslage mit gut und 38 Prozent mit zufriedenstellend – das sind insgesamt fast neun von zehn Betrieben. Die Erwartungen bis zur Jahresmitte werden so günstig wie noch nie in diesem Zeitraum gesehen. Die Auftragsentwicklung ist einer der Faktoren für die positive Stimmungslage. Fast jeder fünfte verzeichnete steigende Auftragseingänge. Die Auftragslage war besser als vor einem Jahr und die durchschnittliche Auftragsreichweite stieg auf durchschnittlich acht Wochen – über eine Woche länger als im Vorjahr. Dies spiegelte sich auch bei der Auslastung der Betriebe wider. Mit durchschnittlich 81 Prozent konnte ein Höchstwert im Frühjahr verzeichnet werden. Der Personalbestand verringerte sich bei den befragten Betrieben saisonal bedingt um 1,6 Prozent im ersten Quartal. Damit sind auch in diesem Bereich die Ergebnisse positiver als vor einem Jahr.

Sehr deutlich zeigt sich der positive Trend auch bei der Umsatzentwicklung. 16 Prozent der befragten Betriebe verzeichneten im ersten Quartal Steigerungen. 47 Prozent meldeten unveränderte Werte. 37 Prozent wiesen saisonal bedingte Umsatzverluste aus. Die Schere zwischen Umsatzsteigerungen und saisonal bedingten Umsatzverlusten war in diesem Zeitraum noch nie kleiner. Die Erwartungen an zukünftige Umsätze sind zwar positiv, liegen aber leicht unter den Erwartungen des Vorjahres.Unverändert hoch ist dagegen die Investitionsbereitschaft. Insgesamt geben 33 Prozent der Befragten an, in Größenordnungen von ca. 23.000 Euro zu investieren. Damit sank das Investitionsvolumen jedoch um ein Drittel.

Als entspannt wird weiterhin die Preissituation eingeschätzt: 48 Prozent der befragten Betriebe meldeten gestiegene Einkaufspreise. Dies spiegelt sich auch in nur teilweise gestiegenen Verkaufspreisen wider – 71 Prozent der Befragten hielten diese konstant. Im Jahresverlauf wird mehrheitlich mit steigenden Einkaufspreisen gerechnet. Mehr als ein Drittel plant das auf die Kunden umzulegen.

Eine positive Grundtendenz lässt sich in allen Branchen erkennen, doch darauf aufbauend gibt es branchenspezifisch deutliche Unterschiede: Mit 54 Punkten herrscht im Ausbau das beste Geschäftsklima aller Branchen und das beste überhaupt, das es zu dieser Jahreszeit in den Umfragen der Handwerkskammer Dresden gab. Der Stimmungsknick im Frühjahr 2015 spielt keine Rolle mehr. Im Bau ist eine kühlere Stimmung zu verzeichnen – wenn auch deutlich besser als im Vorjahr. So stieg das Geschäftsklima um sieben auf nunmehr 36 Punkte. Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf hat sich schrittweise dem Durchschnittsniveau genähert und mit 36 Punkten den besten Frühjahrsklimawert seit fünf Jahren erzielt. Die Untergruppe der handwerklichen Zulieferer schnitt sogar mit dem besten Ergebnis aller Zeiten ab. Im Lebensmittelhandwerk herrscht – nach einem gewaltigen Knick vor vier Jahren – aktuell mit einem Geschäftsklima von 38 Punkten das beste seit 2008. Die beste Stimmung seit fünf Jahren – aber dennoch im Branchenvergleich unterkühlt – verzeichnet mit 23 Punkten auf dem Geschäftsklimaindex im Kfz-Handwerk. Im Gesundheitshandwerk glättete sich der Stimmungsknick aus dem Vorjahr. Die Branche signalisiert überdurchschnittliche Ergebnisse bei fast allen Indikatoren. Auch im Handwerk für den persönlichen Bedarf ist nach dem schlechtesten Frühjahrsergebnis im Vorjahr eine spürbare Erholung zu verzeichnen.

Hintergrund:

Für ihre Konjunkturanalyse befragt die Handwerkskammer Dresden jeweils im Frühjahr und im Herbst ihre Mitgliedsbetriebe. Für die aktuelle Befragung wurden von den insgesamt 22.547 Betrieben 4.537 befragt. Die Rücklaufquote beträgt zwölf Prozent.

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