Konjunktur im ostsächsischen Handwerk brummt weiter – fehlende Fachkräfte bremsen aber das Wachstum

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Konjunktur im ostsächsischen Handwerk brummt weiter – fehlende Fachkräfte bremsen aber das Wachstum

Handwerkskammer-Präsident Dittrich warnt: „Der ländliche Raum wurde zu lange vernachlässigt.“

25.10.2018

Die Handwerker in Ostsachsen haben alle Hände voll zu tun. In der aktuellen Herbstkonjunkturanalyse der Handwerkskammer Dresden bewerten die Unternehmen ihre derzeitige wirtschaftliche Situation als kaum noch steigerungsfähig. Die Kapazitätsgrenze scheint erreicht zu sein – bedingt u. a. durch den Fachkräftemangel.

„Die aktuelle Geschäftslage wird viel besser eingeschätzt als vor einem Jahr“, hebt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, hervor. Da viele Handwerksbetriebe volle Auftragsbücher und sehr hohe Auslastungen vermelden, erwartet aber nur ein kleiner Teil der Unternehmen, weitere Verbesserungen für die nahe Zukunft. „Dreh- und Angelpunkt bei der aktuellen Entwicklung ist das Thema Fachkräfte“, so Andreas Brzezinski. „Denn obwohl die Kapazitätsgrenzen bei vielen Betrieben erreicht sind, konnte sich die Beschäftigtenzahl in den Unternehmen im dritten Quartal nur leicht erhöhen. Den Betrieben fehlen die Fachkräfte.“

Steigende Lehrlingszahlen
Um dem entgegenzutreten, setzen die ostsächsischen Handwerker insbesondere im ländlichen Raum auf die Ausbildung. „Fakt ist: Trotz sinkender Be-triebszahlen in den vergangenen fünf Jahren, haben wir im selben Zeitraum stetig steigende Lehrlingszahlen. Waren es vor fünf Jahren noch knapp 3.250 Lehrlinge im Handwerk in den vier Landkreisen Meißen, Bautzen, Görlitz und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge lag ihre Zahl zum Jahresende 2017 bei rund 3.800 – ein Anstieg um 17 Prozent“, hebt Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, hervor.

Doch den rund 17.000 Handwerksbetrieben im ländlichen Raum drückt der Schuh. „Den Unternehmen machen der demografische Wandel, infrastrukturelle Defizite, Nachwuchs- und Nachfolgeprobleme sowie die steigende Bürokratie zu schaffen“, erläutert Jörg Dittrich und verweist insbesondere auch auf die Lausitz, für die der Kohleausstieg eine erneute Zäsur bedeutet. „Der ländliche Raum wurde ganz klar zu lange vernachlässigt. Das bekommen auch die Handwerksbetriebe zu spüren“, so das Fazit des Präsidenten der Handwerkskammer. „Es ist daher dringend an der Zeit, dass sich etwas ändert.“

Forderungen zur Stärkung des ländlichen Raumes
Daher fordert das ostsächsische Handwerk die Politik auf:

(1) der demografischen Entwicklung im ländlichen Raum entgegenzutreten und ein lebenswertes Umfeld für junge Menschen und Familien zu garantieren. Dies gelingt u. a. durch die Förderung der Innenstädte, damit die Ansiedlung auch für Handwerksbetriebe attraktiv ist.

(2) Des weiteren sollten Förderprogramme wie Leader oder die Förderung zur Existenzgründung von Frauen im ländlichen Raum beibehalten und nach Möglichkeit aufgestockt werden, um den Gang in die Selbstständigkeit attraktiver zu gestalten und Unternehmensgründungen und -nachfolgen zu fördern. Die Handwerkskammer Dresden drängt auf die Wiedereinführung des Programms Regionales Wachstum, mit dem von 2006 bis 2009 erfolgreich Investitionen in struktur-schwachen Räumen gefördert wurden.

(3) Existenziell für das Handwerk im ländlichen Raum ist die Infrastruktur vor Ort. So sollten vorhandene ÖPNV-Strukturen aufrechterhalten bzw. ausgebaut werden, darauf aufbauend ein sachsenweites Azubi-Ticket eingeführt und flächendeckend der Breitbandausbau forciert werden.

(4) Insbesondere im grenznahen Raum muss das Thema Sicherheit im Fokus stehen. Die entsprechende Infrastruktur sollte weiter verbessert werden, u. a. durch eine höhere Polizeipräsenz vor Ort. Betrieben entstehen durch Diebstähle und Einbrüche Schäden und hohe Kosten.

Weitere Ergebnisse der Herbstkonjunkturanalyse
Der Geschäftsklima-Index erreicht aktuell 134 Punkte. Im Vergleich zum Frühjahr ist der Geschäftsklimaindex damit um sechs Punkte gefallen. Das liegt an den künftigen Geschäftslage-Erwartungen. Da sich viele Betriebe aktuell am Limit sehen, gibt es nur einen kleinen Anteil, der weitere Verbesserungen für die nahe Zukunft sieht.

Erstmals schätzten fast drei Viertel der befragten Betriebe ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut ein. Selbst 71 Prozent der Soloselbständigen und 66 Prozent der Betriebe mit bis zu drei Beschäftigten kamen zu guten Beurteilungen ihrer Geschäftslagen. Die Stimmung über alle Unternehmensgrößen hin-weg ist ähnlich gut. Für die nächsten Monate schätzen jedoch nur 15 Prozent der Betriebe, dass sich ihre künftige Geschäftslage verbessern wird. Im Früh-jahr waren es noch 29 Prozent. Über drei Viertel der Befragten haben gleich-bleibende Geschäftserwartungen.

Schaut man auf die Betriebsauslastung, liefert diese eine erste Erklärung, warum sich viele Betriebe am Limit sehen: Die durchschnittliche Auslastung erreichte mit 91 Prozent einen neuen Höchstwert. Mehr als drei Viertel der befragten Betriebe vermeldeten vollständige oder fast vollständige Auslastung. Die Auftragsreichweiten stiegen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um über eine Woche an – auf nunmehr durchschnittlich knapp elf Wochen. Neun von zehn der befragten Unternehmen rechnen für die nahe Zukunft mit gleichen oder steigenden Aufträgen.

Ein Blick auf die Zahl der Beschäftigten: 14 Prozent der Betriebe vergrößerten ihren Personalstamm. 12 Prozent verloren Mitarbeiter. Besonders bei Facharbeitern/Gesellen im Handwerk gibt es einen Fachkräftemangel. Zukünftig rechnen die Betriebe daher größtenteils mit konstanten Personalzahlen.

Ein weiterer Indikator für die aktuellen Stimmungshöchstwerte ist die Umsatzentwicklung im ostsächsischen Handwerk. Nachdem diese sich über die vergangenen Jahre stetig steigern konnte, stiegen bei 29 Prozent der Befragten auch im dritten Quartal die Umsatzzahlen. 59 Prozent meldeten stabile Umsätze. Die Erwartungen an die Umsatzentwicklung in den nächsten Monaten sind positiv, könnten aber mit mehr Fachkräften noch besser sein.

Entsprechend der positiven Umsatzentwicklung liegt auch die Investitionsbereitschaft der Betriebe weiter auf relativ hohem Niveau. Ähnlich wie im Vorjahr investierten 35 Prozent der Befragten, jedoch im geringeren Umfang.

Das Handwerk spürte zum dritten Mal in Folge eine angespannte Preissituation. 58 Prozent der Befragten sind von Preiserhöhungen im Einkauf betroffen. 36 Prozent reagierten darauf mit eigenen Preissteigerungen im Verkauf.

Mit Blick auf die einzelnen Branchen zeigen sich bezeichnende Unterschiede. Die Spanne reicht von den Ausbau-Gewerken (Maler, Klempner, Elektro-techniker) mit 138 Punkten beim Geschäftsklima bis zum Lebensmittelhandwerk (Bäcker, Fleischer) und dem Kfz-Gewerbe mit jeweils 121 Punkten.

Bau (Maurer, Zimmerer, Dachdecker) und Ausbau, die mit einem Anteil von rund 60 Prozent die größte Gruppe der Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer bilden, bleiben die Konjunkturmotoren. Getrieben wird die positive Stimmung hier weiterhin vom Gewerbebau sowie dem privaten Wohnungsbau.

Auch bedingt durch die demographische Situation verzeichnen die Gesundheitshandwerke (Augenoptiker, Zahntechniker, Hörakustiker) in Ostsachsen seit Jahren ein kontinuierliches Wachstum. Mit 131 Punkten auf dem Geschäftsklimaindex liegt die Branche mit dem Bau gleichauf. Dahinter folgen die Handwerke für den gewerblichen Bedarf mit 124 Punkten.

Schlusslichter beim Geschäftsklima sind das Lebensmittelhandwerk und das Kfz-Gewerbe mit jeweils 121 Punkten. Bei den Bäckern und Fleischern ist die Stimmung verhaltener als in den Vorjahren. Die Branche spürt am deutlichsten gestiegene Roh- und Kraftstoffpreise, Aufträge und Umsätze waren rückläufig. Einen großen Anteil daran hatte der heiße Sommer. Im Kfz-Gewerbe wurde der Aufwind jäh durch die Entwicklungen im Dieselskandal und die Einführung der neuen Abgasüberprüfungen für Neuzulassungen unterbrochen.

Hintergrund:
Für ihre Konjunkturanalyse befragt die Handwerkskammer Dresden jeweils im Frühjahr und im Herbst ihre Mitgliedsbetriebe im Kammerbezirk Dresden. Dieser umfasst die Landeshauptstadt Dresden sowie die Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Für die aktuelle Befragung wurden rund 4.100 der rund 22.200 Mitgliedsbetriebe befragt. Die Rücklaufquote beträgt 12 Prozent.

Der Konjunkturbericht steht Ihnen unter www.hwk-dresden.de/konjunktur zum Download zur Verfügung.

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