Große Sorgen im Handwerk über die Zukunft nach der Braunkohle

Große Sorgen im Handwerk über die Zukunft nach der Braunkohle

Sonderumfrage der Handwerkskammern Cottbus und Dresden im Vorfeld der Sitzung der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ in der Lausitz

09.10.2018

Aktuell strahlt das regionale Handwerk eine große Zufriedenheit aus. Das jedoch
könnte sich aus Sicht von Betrieben bald ändern, wie aus einer Umfrage
der Handwerkskammern Cottbus und Dresden zum „Strukturwandel in der Lausitz“
hervorgeht. Demnach blicken mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen
sorgenvoll in die Zukunft. Sie befürchten im Zuge des Braunkohleausstiegs
den Verlust von Kaufkraft, die Abwanderung und Abwerbung von Fachkräften
aus der Region und eine steigende Steuer- und Abgabenlast.


Erst vor wenigen Tagen ging der erste Block im Kraftwerk Jänschwalde (Spree-
Neiße) in die Sicherheitsreserve. Dass es so kommt, wurde vor drei Jahren
beschlossen. Dennoch haben es der Bund und auch die brandenburgische
Landesregierung nicht geschafft, Ersatz für die 600 Arbeitsplätze zu schaffen,
die mit der Abschaltung praktisch verloren sind. Vor diesem Hintergrund besteht
im südbrandenburgischen und ostsächsischen Handwerk eine große Unsicherheit
darüber, was nach einem Braunkohleausstieg kommt.


Knapp 40 Prozent der antwortenden Betriebe bezeichnen sich selbst als mäßig
bis stark abhängig von der Braunkohlewirtschaft. Jedes fünfte Unternehmen
bewertet seine künftige wirtschaftliche Entwicklung mit unbefriedigend (aktuell
sind es nur 3 Prozent). Verantwortlich dafür sind Standortfaktoren, die den Betrieben
zufolge wenig zukunftsfest sind. Am schlechtesten bewertet wird die
Verfügbarkeit von Fachkräften und Auszubildenden, gefolgt vom unzureichenden
Angebot an betrieblicher Förderung und dem Thema Breitband und Verkehrsinfrastruktur.
Auf diesen Gebieten wird neben der Ansiedlung neuer Industriebetriebe
auch der größte Handlungsbedarf gesehen.

Die Erwartungen an die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“,
die am Donnerstag (11. Oktober) in die Lausitz kommt, sind dementsprechend hoch. Es geht um eine jährliche Wertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro, die ersetzt werden muss. Neben den Standortfaktoren sind für die Unternehmen zwei Punkte besonders wichtig: Eine stabile Energieversorgung und bezahlbare Strompreise. „Diese Themen kommen in den aktuellen Diskussionen leider viel zu kurz“, betont Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus. „Wir haben viele energieintensive Betriebe wie Metallbauer, Tischler, Fleischer oder Bäcker, die zum Teil Tag und Nacht produzieren und schon
heute enorme Kosten schultern müssen. Da kommen schnell sechs- bis siebenstellige
Beträge zusammen. Das geht an die Grenzen der Wettbewerbsfähigkeit.“

Die Lausitz verdiene eine Chance genau wie andere Regionen. „Der Ausstieg
aus der Braunkohle ist eine gesamtgesellschaftliche Entscheidung. Dann darf
es nicht sein, dass nur die Lausitz die Last der Entscheidung trägt. Insbesondere vor dem Hintergrund des jahrzehntelangen Strukturwandels ist die weitere Belastung der Region nicht beliebig steigerbar. Die Zukunft der Handwerksbetriebe ist mit dem Strukturwandel verknüpft. Die Politik muss dies bedenken und begleiten“, sagt Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden.

Die beiden Handwerkskammern haben die Erwartung, dass die Kohlekommission die Belange von Handwerk und Mittelstand in ihrem Bericht herausarbeitet und in ihren Vorschlägen bei Förderkulissen explizit berücksichtigt.

 

Hintergrund:
Mehrfach haben sich die Handwerkskammern Cottbus und Dresden gegen einen voreiligen Ausstieg aus der Braunkohle ausgesprochen. Im Grunde geht es um eine Wertschöpfung von jährlich rund 1,4 Milliarden Euro, die ersetzt werden muss. Damit die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaftsregion Lausitz lang-fristig gesichert wird, kommt es maßgeblich darauf an, den Strukturwandel mit einem ausgewogenen Branchenmix aus Industrie, Dienstleistungen und Handwerk aktiv zu gestalten und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des Mittelstandes zu fördern.


Die Handwerkskammern vertreten die Interessen von insgesamt 32.000 Hand-werksunternehmen, davon 9.900 im gesamten Kammerbezirk der Handwerks-kammer Cottbus und 22.100 im gesamten Kammerbezirk der Handwerkskammer Dresden.

Ansprechpartner

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Pressesprecherin

Telefon: 0351 4640-406
Fax: 0351 4640-34406
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Daniel Bagehorn
Pressereferent

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Josefin Päßler
Pressereferentin

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