Aufschwung: Konjunktur im ostsächsischen Handwerk auf hohem Niveau

Aufschwung: Konjunktur im ostsächsischen Handwerk auf hohem Niveau

Dittrich: „Zukunft nicht aus den Augen verlieren!“

27.10.2015

Das Handwerk im Ostsachsen hat im Jahresverlauf 2015 einen spürbaren konjunkturellen Aufschwung erlebt. Nach einem zurückhaltenden Jahresstart zeichnet die aktuelle Herbst-Konjunkturanalyse, die die Handwerkskammer Dresden am 27. Oktober vorstellte, ein in weiten Teilen positives Bild. So liegt der Geschäftsklimaindex mit 45 Punkten (vgl. Frühjahr 2015: 33 Punkte / Herbst 2014: 41 Punkte) auf seinem Höchstwert. Bereits zwei Mal, in den Jahren 2011 und 2013, war die Stimmung im ostsächsischen Handwerk zum Jahresende hin genauso positiv.

„Die aktuelle positive Stimmung, die in dieser Form im Frühjahr nicht vorhersehbar war, freut uns natürlich. Die Stimmungseinschätzungen der vergangenen Jahre wurden teilweise überschritten Wir müssen aber auch festhalten, dass es sich nur um eine Momentaufnahme handelt“, so Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden.

Präsident Dr. Jörg Dittrich ergänzt: „Unser Ziel ist es, die positive Entwicklung im ostsächsischen Handwerk auch in den kommenden Jahren fortzusetzen. Gerade in Hochphasen müssen Vorkehrungen für die Zukunft vorangetrieben und jetzt auf politischer Ebene die richtigen Weichen gestellt werden. Ganz entscheidende Themen sehen wir hier aktuell sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene in der Warteschleife, deren dringende Umsetzung wir fordern.“

Dies betrifft

  1. die seit langem geforderte Rücknahme der Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge: Aktuell werden Betriebe durch diese gleich doppelt belastet – durch den Entzug dringend benötigter Liquidität und durch den enormen Verwaltungsaufwand, der damit einhergeht. Doch obwohl sich das Thema im Koalitionsvertrag unserer Landesregierung findet, ist bisher kaum etwas passiert.
  2. die Reduzierung förderbedingter Berichts- und sonstiger Statistikpflichten: Mit dem Bürokratieentlastungsgesetz wurde auf Bundesebene ein entscheidender Schritt gemacht. Doch gerade bei der positiv zu bewertenden One-in/One-out-Regelung geht man noch nicht weit genug. Sie sollte für alle Gesetze gelten. Mit Augenmaß sollte auch die im sächsischen Koalitionsvertrag bis 2017 geplante Evaluierung und ggf. Änderung des Sächsisches Vergaberechtes erfolgen. Eine Anpassung an europarechtliche Vorgaben mit Ergänzung vergabefremder Aspekte (wie z. B. soziale und ökologische Standards) kann zu erheblichem bürokratischem Mehraufwand und zur Benachteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) führen.
  3. die zeitnahe Einführung des Meisterbonus‘: Entgegen der Ankündigung von Ministerpräsident Tillich im Juni hat sich bisher nichts getan. Entscheidend ist zudem, noch einmal festzuhalten, dass die veranschlagte Summe von einer Million Euro im Jahr nur ausreichend für eine Förderung im Handwerk ist und eine Verwässerung des Vorhabens durch die Ausweitung auf andere Wirtschaftszweige kontraproduktiv wäre.
  4. die Neuregelung des Mängelgewährleistungsrechts: Der nun endlich vorliegende Referentenentwurf verbietet nicht den AGB-mäßigen Ausschluss der Haftung in einem Kaufvertrag zwischen zwei Unternehmen. Damit sind Handwerksbetriebe weiter benachteiligt. Die Handwerkskammer Dresden fordert daher weiter ein generelles Klauselverbot sowie die Entkopplung von der komplexen Reform des Bauvertragsrechts für eine schnellere Umsetzung. Mehr Rechtssicherheit und dennoch Flexibilität soll das neue Insolvenzanfechtungsrecht bieten. Der Gesetzentwurf liegt vor, entscheidend ist nun eine schnelle Beschließung.

Weitere Ergebnisse der Herbst-Konjunkturanalyse

55 Prozent der Befragten schätzen ihre Geschäftslage als gut und 36 Prozent als zufriedenstellend ein. Die Erwartungen bis zum Jahresende fallen genauso günstig aus und damit viel optimistischer als vor einem Jahr. Begründet liegt dies vor allem in guten künftigen Auftragseingängen. Generell ist die Auftragsentwicklung ein entscheidender Faktor für die positive Stimmungslage. Jeder fünfte der befragten Betriebe verzeichnete steigende Auftragseingänge, 60 Prozent wiesen eine unveränderte Bilanz auf. Die durchschnittliche Auftragsreichweite stieg auf 8,6 Wochen – eine Woche mehr als im Vorjahr. Dies spiegelt sich auch bei der Auslastung der Betriebe wider. Mit 86 Prozent liegt sie knapp auf Vorjahresniveau, als mit 87 Prozent ein Höchstwert erreicht wurde. Der Trend der Stabilisierung der Beschäftigtenzahlen im sächsischen Handwerk zeigt sich auch in unserer Befragung.

Ebenfalls positiv fällt die Umsatzentwicklung aus. 23 Prozent der Betriebe meldeten Steigerungen, 58 Prozent gaben konstante Umsätze an. Optimismus herrscht auch bei den Erwartungen an die künftigen Umsatzentwicklungen, die besser sind als im Vorjahreszeitraum. Unverändert hoch ist dagegen die Investitionsbereitschaft. Insgesamt gaben 37 Prozent der Befragten an, in Größenordnungen von ca. 36.000 Euro zu investieren.

Entspannt stellt sich aktuell die Preissituation dar. Nur 38 Prozent meldeten gestiegene Einkaufspreise – der niedrigste Wert seit Umfragebeginn. Im Umkehrschluss hielten 80 Prozent ihre Preise konstant. Allerdings wird bis Jahresende mit höheren Kosten und Einkaufspreisen gerechnet. Sowohl das Kfz- als auch das Nahrungsmittelgewerbe planen, dies in größerem Umfang an ihre Kunden weiterzugeben.

Generell zeigen sich branchenspezifisch starke Unterschiede: Überdurchschnittlich positiv ist die Stimmung weiterhin im Ausbaugewerbe, das mit 56 Punkten den höchsten Geschäftsklimawert aufweist. Die Branche profitiert ebenso wie der Bau besonders durch den privaten Wohnungsbau. Damit kann das Baugewerbe nach der etwas kühleren Stimmung im Vorjahr eine deutliche Verbesserung verzeichnen. Positiv schaut es auch im Lebensmittelhandwerk aus, das mit Blick auf die Stimmung den höchsten Wert seit 2008 aufweisen kann. Schlecht bleibt dagegen die Stimmungslage im Kfz-Gewerbe, auch wenn die Tatsache, dass der Abstand zu den anderen Handwerksbranchen geringer wird, positiv zu bewerten ist. Im eigentlich vom Umsatz verwöhnten Gesundheitshandwerk zeigt sich keine Trendwende in der seit dem Jahreswechsel geknickten Stimmung. Großen konjunkturellen Schwankungen ist das Handwerk für den persönlichen Bedarf unterworfen. Sprachen wir im Frühjahr noch von den schlechtesten Ergebnissen seit fünf Jahren, ist nun eine deutliche Erholung der Stimmung spürbar. Seit Jahren gleich gut ist die konjunkturelle Stimmungslage im Herbst bei den unternehmensnahen Dienstleistern und handwerklichen Zulieferern. Im Vergleich zur Skepsis im Frühjahr verbesserte sich die Stimmung seither sprunghaft

 

Hintergrund:

Für ihre Konjunkturanalyse befragt die Handwerkskammer Dresden jeweils im Frühjahr und im Herbst ihre Mitgliedsbetriebe. Für die aktuelle Befragung wurden von den insgesamt 22.805 Betrieben 4.662 befragt. Die Rücklaufquote beträgt 14 Prozent.

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