Kurzarbeitergeld und Coronavirus

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Kurzarbeitergeld und Coronavirus

Hinweis: Bitte achten Sie bei der Anzeige über den Arbeitsausfall und der Beantragung der Auszahlung von Kurzarbeit insbesondere auf nachfolgende Punkte:

  • Vollständigkeit von Unterschriften
  • Ausführliche und nachvollziehbare Darstellung der Arbeitszeitausfälle
  • Konkretisierung/Identifizierbarkeit der Arbeitnehmer
  • Vollständigkeit der Angaben zur Gesamtzahlt beschäftigter Mitarbeiter und/oder Kurzarbeiter
  • Anzeige von Adressänderungen an die Betriebsnummernstelle (wodurch die Adresse nicht mehr mit der in der Anzeige genannten Adresse übereinstimmt)
  • Angabe der richtigen und vollständigen Betriebsnummer

ACHTUNG – mit diesen Hinweisen vermeiden Sie Fehler bei der Abrechnung!

Bei Auftragsengpässen durch das Coronavirus oder bei Betriebsschließungen aufgrund behördlicher Anordnung kommt die Beantragung von Kurzarbeitergeld grundsätzlich in Betracht.

Voraussetzung für den Bezug von Kurzarbeitergeld ist die vorherige Anzeige des des Arbeitsausfalls gegenüber der Agentur für Arbeit sowie das Vorliegen eines erheblichen, unvermeidbaren und vorübergehenden Arbeitsausfalls. Der Arbeitsausfall muss konkrete Auswirkung eines unabwendbaren Ereignisses oder wirtschaftlicher Gründe sein, durch die der Betrieb unmittelbar betroffen ist. Darüber hinaus muss das Arbeitsverhältnis durch die Leistung des Kurzarbeitergeldes erhalten werden können.

Im gekündigten oder durch Aufhebungsvertrag beendeten Arbeitsverhältnis kann für den betreffenden Arbeitnehmer kein Kurzarbeitergeld ausgezahlt werden. Die Bezugsberechtigung endet einen Tag nach perönlicher Übergabe der Kündigungserklärung oder Abschluss des Aufhebungsvertrages.

Denkbar ist, z.B. ein Arbeitsausfall aufgrund des Ausbleibens von Zulieferungen, wegen der Stilllegung von Betrieben im In- und Ausland aufgrund des Coronavirus, aber auch aufgrund des Rückgangs des Auftragsvolumens aufgrund zurückhaltender Investitionen und der Absage von Aufträgen oder der Schließung von Betrieben aufgrund behördlicher Anordnung. 

In jedem Einzelfall wird seitens der Agentur für Arbeit geprüft, ob die betrieblichen, persönlichen sowie sonstigen Voraussetzungen für die Auszahlung von Kurzarbeitergeld erfüllt sind.

Die Große Koalition hat Anfang März Erleichterungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld beschlossen. Die Erleichterungen traten rückwirkend zum 1. März in Kraft. Betriebe können nun Kurzarbeitergeld schon nutzen, wenn mindestens 10 %  der Beschäftigten von einem Arbeitsausfall von mehr als 10 % betroffen sind. Bisher musste ein Drittel der Arbeitnehmer betroffen sein. Den Arbeitgebern werden zudem die Sozialversicherungsbeiträge, die sie bei Kurzarbeit zu zahlen haben, in voller Höhe erstattet.

Daneben gelten zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2020 nachfolgende Erleichterungen

  • Minusstunden müssen nicht aufgebaut werden
  • Urlaub aus dem laufenden Jahr muss nicht zwingend eingebracht werden, eine Prüfung seitens der Agentur entfällt
  • Einzelvertragliche Vereinbarungen bzw. Änderungskündigungen zur Einführung der Kurzarbeit müssen nicht mit der Anzeige eingereicht werden, sondern nur noch zur Prüfung vorgehalten werden.

Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt beim Kurzarbeitergeld 60 % des ausgefallenen Nettolohns, wenn ein Unternehmen Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt. Bei Arbeitnehmern mit Kind sind es 67 %.

Mit dem Sozialschutzpaket II hat die Regierung ergänzende Regelungen getroffen. Diese sehen unter anderem die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes für Beschäftigte mit mindestens 50 % Entgeltausfall ab dem 4. Monat des Bezugs auf 70 % (bzw. 77 %) und ab dem 7. Monat des Bezuges auf 80 % (bzw. 87 %) des pauschalierten Netto-Entgelts, vorsieht. Die Regelung gilt für Bezugsmonate ab März 2020 und ebenfalls befristet bis zum 31. Dezember 2020.

Es handelt sich bei der Einführung von Kurzarbeit um eine Abweichung von den üblichen arbeitsvertraglichen Regelungen. Der Arbeitnehmer muss daher regelmäßig mit der Einführung der Kurzarbeit bis hin zur Kurzarbeit „null“ einverstanden sein. Vorab ist daher die Zustimmung des Arbeitnehmers einzuholen, sofern nicht bereits der Arbeitsvertrag oder ein einschlägiger Tarifvertrag eine einseitige und wirksame Anordnungsbefugnis vorsieht. In Betrieben mit einem Betriebsrat, kann über die Einführung von Kurzarbeit auch eine Betriebsvereinbarung geschlossen werden. 

Die Anzeige über den Arbeitsausfall und die Einführung von Kurzarbeit muss gegenüber der örtlich zuständigen Agentur für Arbeit erfolgen. Die Anzeige muss spätestens am letzten Tag des Monats bei der Agentur eingehen, für den Kurzarbeitergeld bezogen werden soll. Daher ist es möglich, dass sich Arbeitnehmer bereits in Kurzarbeit befinden, bevor dem Arbeitgeber der Bescheid über die Feststellung des Vorliegens oder Nichtvorliegens der Voraussetzungen zum Bezug von Kurzarbeit erteilt wurde.  

Beruht der Arbeitsausfall auf einem unabwendbaren Ereignis, gilt die Anzeige für den entsprechenden Kalendermonat als erstattet, wenn sie unverzüglich erstattet worden ist. Kurzarbeitergeld muss gegenüber der örtlich zuständigen Agentur für Arbeit beantragt werden.

Hinweis: Ausreichend ist die Anzeige/Anträge schriflich per Post, per Einwurf in den Hausbriefkasten der Agentur oder elelktronisch per Online-Portal vorzunehmen. Anträge sollten nicht doppelt erfolgen, damit wird die Bearbeitung der Anzeigen und Anträge ggf. erschwert.

Antworten zu häufig gestellten Fragen zum Kurzarbeitergeld finden Sie auf den Seiten der Agentur für Arbeit.

Die Regionaldirektion Sachsen stellt ebenfalls Informationen mit regionalen Ansprechpartnern zur Verfügung. 

Die Agentur für Arbeit hat eine Hotline eingerichtet, die Fragen im Zusammenhang der Beantragung von Kurzarbeitergeld beantwortet: 0800 45555 20 

Ansprechpartner

Arbeits - und Sozialrecht
Uta Görbert

Telefon: 0351 4640-453
Fax: 0351 4640-34453
E-Mail schreiben

Steuererleichterungen bei Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch Arbeitgeber

Um die nachteiligen Auswirkungen der Kurzarbeit abzufedern zahlen einige Arbeitgeber Zuschüsse zur Aufstockung. Diese Zuschüsse gehören grundsätzlich zum steuerpflichtigen Arbeitslohn. 

Aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie erfolgt eine befristete Erleichterung bis zum 31. Dezember 2020. Die Regelung gilt rückwirkend vom 1. März 2020.  Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld und zum Saisonkurzarbeitergeld sind bis 80 % des Unterschiedsbetrages zwischen Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt steuerfrei gestellt.

Voraussetzung ist daher, dass er zusammen mit dem Kurzarbeitergeld 80 Prozent des ausgefallenen Arbeitsentgelts nicht übersteigt.

Erleichterungen beim Hinzuverdienst

Der Gesetzgeber verlängert die Regelung zum Hinzuverdienst bis zum 31. Dezember 2020 und öffnet die Erleichterungen für alle Berufe. Die Einschränkung auf systemrelevante Berufe/Branchen entfällt damit. Die Regelung tritt rückwirkend zum 1. Mai in Kraft. Nunmehr wirkt sich während der Gültigkeitsdauer der Regelung des § 421c SGB III der Hinzuverdienst nicht auf die Höhe des Kurzarbeitergelds aus, soweit es nicht die Höhe des Soll-Entgelts überstieg. Dabei ist es unerheblich, in welcher Branche der Hinzuverdienst erzielt wird.

Auch für Entgelt aus einer geringfügigen Beschäftigung wird die Einschränkung auf systemrelevante Berufe aufgehoben. In § 421c Abs. 1 S. 2 SGB III wird geregelt, dass das Einkommen aus einem Minijob nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV bis Ende 2020 anrechnungsfrei auf das Kurzarbeitergeld bleibt, auch wenn die Nebentätigkeit erst während der Kurzarbeit und während des Bezugs von Kurzarbeitergeld aufgenommen wurde.

Letzte Aktualisierung: 04.06.2020, 13:20 Uhr

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