Kampf um „Köpfe“ von morgen hat begonnen
Wie anspruchsvoll der Beruf des Orthopädieschuhmachers ist, davon konnten sich die Präsidenten Kentzler (Mitte) und Dittrich (r.) bei Schuhmachermeister Sieghard Berneis (l.), Azubi Daniel Broßmann (u.l.) und Geselle Daniel Küchler live überzeugen.
Wie anspruchsvoll der Beruf des Orthopädieschuhmachers ist, davon konnten sich die Präsidenten Kentzler (Mitte) und Dittrich (r.) bei Schuhmachermeister Sieghard Berneis (l.), Azubi Daniel Broßmann (u.l.) und Geselle Daniel Küchler live überzeugen.
Das Handwerk macht sich stark für die Fachkräftesicherung in den neuen Bundesländern

Wie schwierig es geworden ist, einen geeigneten Lehrling zu finden, das weiß Schuhmachermeister Sieghard Berneis wohl am besten. Seit Gründung seiner Firma Orthopädieschuhtechnik Berneis 1990 in Dresden hat er 24 Lehrlinge ausgebildet, aktuell sind sieben seiner derzeit 42 Mitarbeiter Azubis. „Die Qualität der Bewerber hat nicht nachgelassen, aber die Zahl ist trotz größeren Einzugsgebietes geringer geworden“, sagt Berneis.

So wie ihm geht es vielen kleineren und mittleren Unternehmern im Kammerbezirk Dresden. Die demografische Entwicklung stellt eine immer größere Herausforderung dar. Besonders betroffen sind die neuen Bundesländer. 2011 wird es nur auch in Sachsen nur noch 22.800 Schulabgänger geben. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es 60.000 und 2007 immerhin noch 44.000.

Umso erfreulicher ist, dass die Tendenz bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerkskammerbezirk Dresden dennoch positiv ist. Zum Stichtag 31. Mai 2010 lag sie bei 507 Ausbildungsverträgen. Das sind 2,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Die Zahlen stimmen uns optimistisch. Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Einstellung unserer Betriebe und ihrem Ja! zur Ausbildung trotz sinkender Schulabgangszahlen auch in diesem Jahr in den Zielkorridor des Vorjahres vordringen können“, so der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Claus Dittrich, anlässlich der Pressekonferenz zur Fachkräftesicherung bei der Firma Berneis am 8. Juni 2010. Auf dieser warb er gemeinsam mit ZDH-Präsident Otto Kentzler für eine Ausbildung im Handwerk.

Jana Schwemmer, drittes Ausbildungsjahr zur Orthopädie-Schuhmacherin, hat ihre Berufswahl nicht bereut, davon konnten sich die Präsidenten Kentzler (Mitte) und Dittrich (l.) beim Besuch der Firma von Sieghard Berneis (2.v.l.) überzeugen.
Jana Schwemmer, drittes Ausbildungsjahr zur Orthopädie-Schuhmacherin, hat ihre Berufswahl nicht bereut, davon konnten sich die Präsidenten Kentzler (Mitte) und Dittrich (l.) beim Besuch der Firma von Sieghard Berneis (2.v.l.) überzeugen.
„Bundesweit fürchten unsere Bildungsexperten, dass bis zum Ausbildungsbeginn am 1. August die Zahl der Lehrverträge des Vorjahres nicht zu erreichen ist. Denn die Zahl der Schulabsolventen in Ostdeutschland steuert auf einen Tiefpunkt zu. Wenn sich diese Zahl so drastisch reduziert, muss sich wenigstens ihre Qualität verbessern. Dafür haben wir uns mit einer nationalen Bildungsinitiative eingesetzt, die von der Bundeskanzlerin aufgegriffen wurde“, so Kentzler. „Darüber hinaus müssen ebenfalls die Bemühungen um Jugendliche mit Problemen und junge Erwachsene, die ohne Berufsabschluss sind, verstärkt werden.“

Auch die Handwerkskammer Dresden geht das Thema ganzheitlich an. Sie setzt auf gezielte Maßnahmen, die den gesamten Bildungsprozess beleuchten: von der frühkindlichen Erziehung, frühzeitigen Berufsorientierung, über eine anspruchsvolle duale betriebliche Berufsausbildung bis hin zu Weiterbildungsmöglichkeiten an Hoch- und Fachschulen für die Spitzenkräfte des Handwerks.

Großes Medienecho auf der Pressekonferenz „Fachkräftesicherung in den neuen Bundesländern“ auf der sich der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Claus Dittrich, für eine offensive Nachwuchswerbung im Handwerk aussprach.
Großes Medienecho auf der Pressekonferenz „Fachkräftesicherung in den neuen Bundesländern“ auf der sich der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Claus Dittrich, für eine offensive Nachwuchswerbung im Handwerk aussprach.
„Der Kampf um die Köpfe von morgen hat längst begonnen. Häufig wird eine Ausbildung im Handwerk bei den Jugendlichen unterschätzt. Die Auswahl der Berufe ist riesig. Auch die vielfältigen Karrierechancen bis hin zum Studium oder zur Selbstständigkeit sind ihnen nicht bekannt. Deshalb liegt es an uns, sie dafür zu begeistern“, sagt Dittrich.

Damit dies gelingt, leistet auch Schuhmachermeister Berneis seinen Beitrag: „Jeder Schüler ist willkommen, der sich bei uns vorstellen möchte. Auch ein Praktikum ist möglich, um mehr über den anspruchsvollen Beruf des Orthopädieschuhmachers zu erfahren. Schulnoten allein sind für mich nicht entscheidend. Die innere Einstellung, das Auftreten und Zuverlässigkeit sind ebenso wichtig.“

Tipp: Der Start des neuen Ausbildungsjahres rückt in greifbare Nähe! Um als Bewerber im Handwerk die passende Ausbildung zu finden bzw. Betrieben die Möglichkeit zu geben, offene Lehrstellen zu melden, bietet die Handwerkskammer Dresden eine digitale Lehrstellenbörse an. Momentan haben dort 120 Firmen 200 freie Ausbildungsplätze eingetragen.

Ansprechpartner
Bau- und Ausbaugewerbe, Glasgewerbe; Begabten-
förderung berufliche Bildung
Dietmar Krause
Telefon: 0351 4640–964
E-Mail: dietmar.krause@
hwk-dresden.de


Holzgewerbe, Gesundheits-
und Reinigungsgewerbe, Bekleidungs-, Textil-, Ledergewerbe, Nahrungsmittelgewerbe; Projektbearbeitung
Benjamin Bachmann
Telefon: 0351 4640–962
E-Mail: benjamin.bachmann@
hwk-dresden.de


Metallgewerbe, Elektro-
gewerbe, Kraftfahrzeug-
gewerbe, sonstige Ge-
werbe; Erfassung der Lehr-
stellenangebote; Leistungs-
wettbewerb des Deutschen
Handwerks (PWL)
Gudrun Gottschalk
Telefon: 0351 4640–965
E-Mail: gudrun.gottschalk@
hwk-dresden.de