Gerüstet für Anforderungen der Zukunft: 65 Absolventen zum/zur Betriebswirt/-in (HWK) erhielten ihre Urkunden
Handwerksunternehmer bzw. Führungskräfte im Handwerk bestätigen: Um heute erfolgreich ein Unternehmen zu leiten, reicht es nicht mehr, nur ein guter Fachmann bzw. eine gute Fachfrau in seinem jeweiligen Gewerk zu sein. Auch im Handwerk nehmen die betriebswirtschaftlichen Abläufe rund um Organisation und Planung, Marketing für die eigenen Produkte und Leistungen sowie das Finanz- und Rechnungswesen immer mehr Raum im Tagesablauf ein. Hinzu kommen rechtliche Fragen sowie eine erfolgreiche Personalführung und -entwicklung. Im stillen Kämmerlein muss sich jedoch niemand allein diese Kenntnisse aneignen: Die Fortbildung zum/zur Betriebswirt/-in (HWK), die die Handwerkskammer Dresden bereits seit 1990 erfolgreich anbietet, vermittelt alle diese Kenntnisse – die 65 Absolventinnen und Absolventen aus 2010 können dies bestätigen.
Ende Oktober erhielten die 26 Damen und 39 Herren in feierlichem Ambiente in Dresden ihre Urkunden. Vielen war der Stolz auf dieses Dokument anzusehen. Denn ob in Teil- oder Vollzeit – alle hatten viel (Frei-)Zeit und großen persönlichen Einsatz in die Fortbildung zum/zur Betriebswirt/-in (HWK) gesteckt. Jeder hatte dabei die ganz individuellen Höhen und Tiefen zu meistern. So war für den Bezirksschornsteinfegermeister Uwe Schlosser (46) aus Kubschütz vor allem die Zeit der Prüfungen eine Herausforderung. „Alles zuvor behandelte noch einmal aufzuarbeiten, das war sehr nervenaufreibend“, so Schlosser. Doch sein „Ziel vor Augen“ habe ihn motiviert und auch die Familie habe ihn sehr unterstützt. Für den Schornsteinfegermeister ist der Betriebswirt (HWK) vor allem eine gute Vorbereitung auf bevorstehende Veränderungen in seinem Gewerk. „Bisher wurden uns feste Bezirke zugeteilt, in denen wir alle Aufgaben rund um die Feuerungsanlagen wahrnehmen. Ab 2013 können die Hauseigentümer selbst bestimmen, welchen Schornsteinfeger sie mit den gesetzlich vorgeschriebenen Reinigungs-, Mess- und Überprüfungsarbeiten beauftragen wollen. Das führt zu mehr Wettbewerb, für den ich gerüstet sein möchte – z.B. mit dem Betriebswirt (HWK), um wirtschaftliche Prozesse noch besser mitzugestalten.“
Neue Herausforderungen für Handwerksunternehmen
Wie wichtig der betriebswirtschaftliche Bereich neben der guten fachlichen Arbeit ist, das weiß auch Marco Schubert aus Peritz. Der 21-Jährige ist in der familieneigenen Tischlerei groß geworden, hat selbst Tischler gelernt und unterstützt nun gemeinsam mit seinem Bruder den Vater – eine spätere Firmenübernahme ist nicht ausgeschlossen. „Von der Meisterprüfung habe ich bisher den Teil 3 mit Rechnungswesen, Betrieb und Wirtschaft, Recht und Steuern absolviert. Dabei wurde mein Interesse an der Betriebswirtschaft geweckt. Mit dem Betriebswirt (HWK) konnte ich diese Kenntnisse vertiefen, was jetzt unserem Familien-Unternehmen zugutekommt.“ „Mit dem Betriebswirt (HWK) haben Sie das Ticket zum Aufstieg gelöst und in Ihre Zukunft investiert“, so der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, Dr. Andreas Brzezinski, in seiner Festrede zur Urkunden-Übergabe an die Absolventinnen und Absolventen gewandt. Und die Zukunft bringe viele Herausforderungen aber auch – mit der richtigen Strategie und Ausrichtung – Chancen und spannende Tätigkeitsfelder für Handwerksunternehmer.
Als Beispiele nannte er die zunehmende Individualisierung in der Gesellschaft mit einem einhergehenden Anstieg bei den Single-Haushalten. „Für das Handwerk bedeutet diese Entwicklung, dass Standard-Angebote uninteressanter werden. Die ausführliche Beratung wird immer wichtiger genauso wie eine Verfügbarkeit von handwerklichen Service-Leistungen sieben Tage die Woche und rund um die Uhr“, gab Dr. Brzezinski einige Ausblicke. Als zweites Beispiel für neue Aufgabenfelder für das Handwerk nannte der Hauptgeschäftsführer die voranschreitende Alterung der Gesellschaft. „In den kommenden Jahren wird die Zahl der Rentner erheblich steigen. Viele davon sind finanziell sehr gut abgesichert und bereit, für gute Leistungen und Produkte auch entsprechende Preise zu zahlen. Handwerksunternehmen müssen sich darauf einstellen, dass die Kunden anspruchsvoller werden, mehr Geld in den Erhalt und die Pflege von Haus und Wohnung stecken wollen und ihre Sicherheits- und Bequemlichkeitsbedürfnisse steigen. Das wiederum bedeutet, dass auch hier Beratung und Begleitung sowie einfachere Abwicklungswege zunehmend wichtiger werden.“
Abschluss als Rettungsanker in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
Zukünftigen beruflichen Anforderungen mit dem nötigen Wissen begegnen zu können, das war auch für den Hörgeräteakustikermeister Johannes Schubert ein Grund, sich zum Betriebswirt (HWK) fortzubilden. Der gebürtige Dresdner ist Mitarbeiter bei einem großen Hamburger Unternehmer und für den Bereich Sachsen zuständig. „Bei meiner Arbeit habe ich viel mit Zahlen zu tun. Diese betriebswirtschaftlichen Kenntnisse wollte ich vertiefen.“ Die Fortbildung hat bei ihm noch ein weiteres Interesse zutage gebracht: „Gern würde ich ehrenamtlich im Prüfungsausschuss Betriebswirte der Handwerkskammer Dresden mitarbeiten.“
Dass der Abschluss Betriebswirt/-in (HWK) in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten ein Rettungsanker sein kann, dies führte Holger Hempelt, Geschäftsführer der Firma HEMPELT Karosserie u. Fahrzeugbau in Meißen, bei der Festveranstaltung aus. Hempelt war einer der ersten unter den mittlerweile rund 1.500 Betriebswirt-Absolventen bei der Handwerkskammer Dresden. Der Karosseriebaumeister und Ingenieur für Kraftfahrzeugtechnik hat mit seiner 1995 gegründeten Firma viele Höhen und Tiefen durchlebt. Dass sich der Betrieb mit heute 17 Mitarbeitern erfolgreich am Markt behauptet, habe auch Ursache in der Kombination seiner Abschlüsse. „Mit dem Sachverstand eines Handwerksmeisters und den Kenntnissen eines Betriebswirtes war ich besser als mancher Mitbewerber auf plötzlich auftretende Probleme vorbereitet, konnte schneller reagieren und betriebliche Abläufe optimaler gestalten“, so sein Fazit.