Ein Hauch von Pariser Flair und Chic durchweht Dresdner Friseursalons
Kundinnen und Kunden des Salons der Haarpflege e.G. am Schillerplatz verspüren dieser Tage einen Hauch von Internationalität sowie Pariser Flair und Chic. Zwei junge Französinnen bedienen die Kundschaft im Haarpflege- und Kosmetikbereich bzw. assistieren den Mitarbeiten. Die beiden jungen Frauen sind Lehrlinge im 3. Lehrjahr aus der französischen Handwerkskammer Val de Marne/Paris – der Partnerkammer der Handwerkskammer Dresden. Diese Partnerschaft besteht seit zehn Jahren. Fast genauso lange findet jährlich ein gegenseitiger Lehrlingsaustausch zwischen Dresden und Paris statt.
In diesem November kann die Handwerkskammer Dresden den 100. französischen Austauschlehrling seit dem Jahr 2001 begrüßen. Eléonora Page ist 20 Jahre alt, lernt Kosmetikerin und ist zum ersten Mal in Deutschland. Gemeinsam mit zehn weiteren Lehrlingen aus den Bereichen Friseur-, Kosmetik- und Elektrohandwerk sowie aus der Anlagenmechanik verbringt sie drei Wochen in Dresden, davon zwei Wochen bei der Haarpflege e.G. am Schillerplatz. Über eine Lehrerin in der Berufsschule ist die junge Frau auf das Austauschprogramm aufmerksam gemacht worden. „Ich habe kurz überlegt und dann zugestimmt“, sagt sie – übersetzt durch eine Dolmetscherin. Die sprachliche Barriere empfindet sie als zweitrangig. „Hier im Salon bekomme ich viel gezeigt, das geht auch ohne Kommunikation. Die meisten Gegenstände und Geräte im Kosmetik-Bereich kenne ich, nur die Kosmetik-Produkte sind ganz anders als zu Hause.“
„Verständigung mit Händen und Füßen“, so beschreibt die Salonleiterin Kati Richter die Kommunikation mit Eléonora. „Ich war sehr gespannt, wie das wohl wird mit den beiden Französinnen bei uns im Salon.“ Doch alles funktioniere wunderbar. „Die beiden sind sehr selbstständig, und packen auch unaufgefordert mit an.“ In den beiden praktischen Wochen werden Eléonora und eine andere junge Friseurin mit in den Salon-Alltag integriert. „Denn darum geht es doch, dass die jungen Leute mal den Berufsalltag in einem anderen Land kennen lernen“, so Kati Richter.
Ausbildungsbetrieb profitiert von Austausch
So offen und locker wie Kati Richter sind nicht gleich alle Handwerksunternehmer, wenn es darum geht einen ausländischen Lehrling für zwei bis drei Wochen aufzunehmen. „Die meisten sind erst einmal wegen der Sprachbarriere abgeschreckt“, weiß Maika Filz. Als Mobilitätsberaterin bei der Handwerkskammer Dresden koordiniert und organisiert sie die Lehrlingsaustausche mit den Partnerkammern in Frankreich, Polen und Ungarn. Hinzu komme, dass es sich nicht alle Unternehmen zeitlich leisten können, im Gegenzug einen eigenen Lehrling für drei Wochen ins europäische Ausland zu schicken. Doch die Überzeugungsarbeit von Maika Filz lohnt sich oft. „Viele Betriebe, die einmal einen ausländischen Lehrling aufgenommen haben, wollen beim nächsten Austausch wieder mitmachen. Denn so ein „Blick über den Tellerrand“ lohne sich allemal für die Lehrlinge und auch für den Betrieb. „Zum einen lernen die Jugendlichen neue handwerkliche Techniken und Materialien kennen und bringen dieses neue Wissen zurück in ihre Ausbildungsbetriebe“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, Dr. Andreas Brzezinski. „Und zum anderen bringt es den Teilnehmern auch eine persönliche Weiterentwicklung, wenn sie sich in einem anderen Land behaupten müssen und mit anderen Kulturen und Sprachen in Kontakt kommen. So eine Erfahrung ist nicht zu unterschätzen. Auch davon profitiert der Ausbildungsbetrieb.“
Ein deutsches Wort wird Eléonora bestimmt in Erinnerung bleiben. „Haltestelle“, sagt sie lächelnd und mit französischem Akzent. Das Wort liest sie jeden Morgen, während sie auf die Straßenbahn wartet, die sie vom Gästehaus der Handwerkskammer Dresden im Norden der Stadt an den Schillerplatz bringt. Von Dresden ist die junge Frau begeistert. Altstadt, Zoo, Gläserne Manufaktur … neben der Arbeit sehen die französischen Lehrling auch einiges von der Stadt.
„Man merkt oft während eines Austausches, wie die jungen Leute über sich hinaus wachsen“, erzählt Maika Filz von ihren Erfahrungen. Die Mobilitätsberaterin würde sich freuen, wenn sich noch mehr deutsche Lehrlinge aus dem Kammerbezirk für so ein Auslandspraktikum interessieren würden.
„Schließlich liegt Europa mit Polen und Tschechien direkt vor unserer Haustür“, so der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Claus Dittrich. Er wisse von vielen Handwerksfirmen, die auch international agieren. „Andere würden gern im Ausland Fuß fassen, wissen jedoch nicht wie. Eine Möglichkeit für die erste Kontaktaufnahme kann ein Lehrlingsaustausch sein“, weiß der Dachdeckermeister.
Der finanzielle Aspekt eines solchen Austausches muss kein Unternehmen abschrecken. „Die Finanzierung erfolgt über das Deutsch-Französische Sekretariat. Unterkunft, Fahrtkosten, Verpflegung sowie das kulturelle Programm drumherum sind damit abgedeckt und kosten Lehrlingen und Ausbildungsbetrieben nichts“, erklärt Maika Filz. Sie unterstützt die Betriebe auch beim Ausfüllen der Anträge. „Europas Türen stehen für das Handwerk offen“, sagt Präsident Claus Dittrich. „Die Handwerkskammer unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe und deren Lehrlinge gern bei den ersten Schritten.“
Für Eléonora Page ist Dresden der erste Schritt ins Ausland, er soll aber nicht der letzte gewesen sein. Ihr Traum: „Mit meiner Mutter, sie ist auch Kosmetikerin, möchte ich gern eines Tages einen eigenen Salon auf Martinique (einer Insel in der Karibik, Anm. d. Red.) aufmachen“, erzählt sie mit einem Leuchten in den Augen.