Emotionen in Holz: Von der Zeichnung bis
zum fertigen Möbelstück
Und wieder gab es Kopfzerbrechen, Selbstzweifel, schlaflose Nächte, Nervosität und ungewöhnliche Hektik. So wie bei allen bisherigen 14 Kreativlehrgängen gehörten auch zum 15. Lehrgang diese „Nebenwirkungen“. Elf Wochen lang konnten 15 Tischlerlehrlinge aus Sachsen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und zahlreiche Tricks, Kniffe und Feinheiten bei der Bearbeitung von Holz erlernen. Die drei jungen Frauen und zwölf jungen Männer im Alter zwischen 19 und 26 Jahren gehören zu den besten Lehrlingen des 3. Lehrjahres im Kammerbezirk Dresden. Als Auszeichnung für ihre guten Leistungen wurden sie von ihren Betrieben frei gestellt, um am jährlich stattfindenden und bundesweit einzigartigen Kurs „Kreative Möbelgestaltung“ der Handwerkskammer Dresden teilzunehmen.
Am Anfang sieht alles noch relativ einfach aus. Es müssen jeweils drei Arbeitsstücke gefertigt werden: ein Kerzenleuchterschrank in Vollholz, eine Garderobe in Furniertechnik und dann letztendlich in freier Auswahl das Gesellenstück. „Bei der Anfertigung der Zeichnung wissen einige Teilnehmer noch nicht, was sie sich antun“, sagt Sirko Apelt, einer der Ausbilder, der die jungen Leute in den elf Wochen betreut. Für viele ist es das erste Mal, dass sie ein Stück planen, entwerfen und von Anfang bis Ende fertigen müssen. Keine leichte Aufgabe, auch wenn es sich bei den Teilnehmern um die talentiertesten Nachwuchs-Handwerkerinnen und Nachwuchs-Handwerker im Tischlerhandwerk handelt. Apelt legt Wert auf Kreativität, will von seinen Schützlingen traditionelle Verbindungen, wie Zinken, Schlitz und Zapfen sehen, verlangt aber auch Pünktlichkeit und Ordnung. Und wie bei jedem Lehrgang wurde auch in diesem Jahr die Zeit immer knapper, die Tage immer kürzer und der Berg noch zu erledigender Aufgaben kein bisschen kleiner. Doch die Kursteilnehmer sind auch 2009 über sich hinaus gewachsen und als sich

am Samstag, 27. Juni 2009, um 9 Uhr die Türen zu den Werkstätten öffneten, standen die Ergebnisse aufgereiht und dekoriert zur Besichtigung bereit. Wenige Stunden zuvor hatte schon die Jury ihre kritischen Augen und Hände über die Stücke gleiten lassen. Da wurden Rückwände begutachtet, Schubladen geöffnet, Funktionalität getestet und Kreativität bewertet. Am Ende waren sich alle einig, es war ein guter Lehrgang mit beeindruckenden Ergebnissen.
Davon überzeugten sich auch der Vizepräsident und Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, Wilfried Arndt und Dr. Andreas Brzezinski, Kreishandwerksmeister Werner Zimmer, der Geschäftsführer des Fachverbandes Holz- und Kunststoff, Dr. Rainer Burkhardt und zahlreiche Gäste. Fimenchefs, Eltern, Geschwister, frühere Kursteilnehmer und auch einige „Väter“ und „Mütter“ des Kreativlehrganges ließen es sich nicht nehmen, die Ergebnisse des 2009er Jahrganges zu begutachten.
In seiner Ansprache betonte Wilfried Arndt, wie gern er zu dieser Abschlussveranstaltung komme. Er lobte das Engagement und die Leistungen der Kursteilnehmer, den Zusammenhalt in der Gruppe, die Unterstützung der Ausbilder sowie das Einsatzbereitschaft der Ausbildungsbetriebe. Arndt betonte an die Kursteilnehmer gewandt: „Eigentlich müssten die Ausbildungsbetriebe vor dem Bildungszentrum Schlange stehen, um Sie als Mitarbeiter zu gewinnen.“ Überall würde über Fachkräftemangel geklagt, doch unverständlicherweise hätten die wenigsten der Kursteilnehmer eine feste Einstellungszusage nach dem Abschluss Ihrer Lehre.
Auch Kreishandwerksmeister Werner Zimmer zeigte seine Begeisterung und sprach mit Hochachtung über die hohen Schwierigkeitsgrade der Exponate. Gleichzeitig hob er die besondere Leistung der Delegierungsbetriebe hervor. Gerade am Ende der Ausbildungszeit bringe ein Lehrling dem Unternehmen Gewinn. Elf Wochen Freistellung nötigten deshalb besondere Hochachtung und Lob ab. Die Deutschen Werkstätten Hellerau GmbH und die Sachsenküchen Hans-Joachim-Ebert GmbH hatten in diesem Jahr sogar jeweils zwei bzw. drei Lehrlinge zum Kreativlehrgang delegiert.
Beim Blick auf die Ergebnisse des Kreativlehrganges fielen nicht nur Kreativität und Qualität ins Auge, sondern vor allem auch die Vielfalt der Gesellenstücke. Im Gespräch mit den angehenden Tischlern wurde deutlich, dass vielfach die persönlichen Interessen eingeflossen sind. Der Musiker baute ein Mischpult, der Kaninchenzüchter eine Vitrine für seine errungenen Preise, der Segler ein Bett unter Verwendung von

Segeltuch, der Exotenliebhaber ein Terrarium für seine Geckos. Schön sind die Stücke alle und sie sind ein Dokument für die Leistungsfähigkeit des Tischlerhandwerks.
Den 1. Platz belegte Paul Bönisch aus Dresden, Lehrling in der Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH in Dresden. Zweite wurde Constance Girth aus Rietschen im Landkreis Görlitz von der Tischlerei Ernst Nickel GmbH & Co. KG in Weißwasser und den 3. Platz holte sich Andrea Neumann aus Dresden. Sie absolvierte ihre Lehre ebenfalls in der Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH in Dresden.

Der 15. Kreativlehrgang im Tischlerhandwerk gehört der Geschichte an. Es bleiben besondere Möbelstücke, bestens ausgebildete junge Tischlerinnen und Tischler, die stolz über ihre Ergebnisse sind, Ausbilder und Ausbildungsbetriebe, die auf die Leistungen der jungen Generation bauen, und eine Handwerkskammer, die heute schon den 16. Kreativlehrgang im Tischlerhandwerk vorbereitet.