Fachkräftesicherung der sächsischen Wirtschaft vor neuen Herausforderungen
Ergebnisse des Fachkräftemonitorings 2010 der sächsischen Wirtschaftskammern

Die sächsischen Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern legen seit 2001 zum fünften Mal die Ergebnisse ihres Fachkräftemonitorings vor, an dem sich fast 1.500 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungswirtschaft, Handel und Handwerk mit rund 70.000 Beschäftigten beteiligten. Die Befragung fand im 3. Quartal 2010 statt.
Die Zahl der offenen Stellen lag zum Befragungszeitpunkt unter dem Niveau des Jahres 2007. So wurden 2010 im Durchschnitt 10 offene Stellen je 1.000 Mitarbeiter in den befragten Firmen registriert, 2007 war dieser Wert konjunkturbedingt mit 20 offenen Stellen doppelt so hoch. Ein Großteil der Betriebe hat in der Krise unter den seinerzeit vorhandenen Rahmenbedingungen (Kurzarbeit) und trotz betriebswirtschaftlicher Belastungen die Belegschaftsstärken weitgehend gehalten – und dabei wiederum eher das Fachpersonal als die ungelernten Mitarbeiter. Es zeigt sich auch, dass im konjunkturellen Aufschwung besonders Hoch- und Fachschulabsolventen hoch im Kurs stehen, vor allem Ingenieure. Gesucht werden überwiegend qualifizierte, mit Spezialqualifikationen ausgestattete Fachkräfte. Oft scheitern Neueinstellungen am Fehlen dieser Qualifikationen, an ungenügender Berufserfahrung sowie unzureichender Motivation der Bewerber. Der Anteil an- bzw. ungelernter Mitarbeiter bleibt auf niedrigem Niveau.
Auch bei den Bewerbern um duale Ausbildungsplätze beklagen die Unternehmer eine abnehmende Motivation und schlechter werdende Leistungen. Dies ist alarmierend, weil die Firmen die Ausbildung und die Übernahme von Lehrlingen als die wichtigste und erfolgreichste Personalbeschaffungsmaßnahme derzeit ansehen, die künftig einen noch höheren Stellenwert einnehmen wird.
In der strategischen Personalarbeit der überwiegend mittelständischen Unternehmen sind erhebliche Reserven zu erschließen, nur rund ein Drittel der Betriebe arbeitet mit Personalentwicklungskonzepten, wobei mit steigender Mitarbeiterzahl dieser Anteil deutlich zunimmt. Die sächsischen Unternehmen haben bei der Bindung und Motivation ihrer Mitarbeiter größere Anstrengungen unternommen. Die dazu eingesetzten betrieblichen Zusatzleistungen sind gegenüber 2007 deutlich angewachsen. Favoriten sind Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge, die Übernahme von Qualifizierungskosten und Prämien.
Rund 10 % der Betriebe planten zum Zeitpunkt der Befragung aus unterschiedlichen Gründen (ausländische Betriebsstätte, verstärkter Export, fehlende inländische Bewerber) die Einstellung von ausländischen Fachkräften, im Handwerk spielt dies kaum eine Rolle.
Wegen des rasanten technischen Fortschritts, der hohen Spezialisierung und der starken Exportorientierung sächsischer Betriebe ist der Weiterbildungsbedarf in den Unternehmen weiterhin hoch. Diese betriebliche Weiterbildung wird auch 2010 überwiegend von den Firmen selbst finanziert, dabei ist das überdurchschnittliche Engagement der kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern besonders hervorzuheben.
Qualifizierte Fachkräfte sind und bleiben der wertvollste und wichtigste Produktionsfaktor für die branchenmäßig breitgefächerte, hoch spezialisierte und exportorientierte Wirtschaft und das leistungsstarke Handwerk in Sachsen. Die Sicherung dieses Fachkräftebedarfs wird zunehmend komplexer und vollzieht sich in einem immer stärkeren internationalen Wettbewerb um die besten Köpfen.