Mit High-Tech und Handarbeit bewahrt das Handwerk das historische Wertvolle für die Zukunft

© André Wirsig

Mit High-Tech und Handarbeit bewahrt das Handwerk das historische Wertvolle für die Zukunft

Denkmalpflege: Drei Handwerksbetriebe zeigen wie traditionelles Handwerk mit modernen Technologien arbeitet

14.09.2017

Deutschlandweit steht der 16. September als „Tag des Handwerks“ bei verschiedenen Aktionen ganz im Zeichen der „Wirtschaftsmacht von nebenan“. Bereits heute hatte die Handwerkskammer Dresden zu einer Tour in der Landeshauptstadt eingeladen, um anhand von drei herausragenden Betrieben den Schwerpunkt auf das Thema Restaurierung und Denkmalpflege sowie die dabei genutzten modernen Technologien zu legen. Mit einem bundesweiten Jahresumsatz von rund 7,5 Milliarden Euro ist der Bereich für über 50 Gewerke ein wichtiger Markt. Dabei hat Sachsen sowohl im absoluten als auch im Vergleich zur Einwohnerzahl die meisten Denkmale deutschlandweit.

Stefan Brangs, Staatssekretär im Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA), Dresdner Stadträte sowie Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege und des Amtes für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden blickten gemeinsam mit Jörg Dittrich und Andreas Brzezinski, Präsident bzw. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, hinter die Kulissen.

Handwerkskammer-Präsident Jörg Dittrich sagte: „Das Handwerk hat eine Jahrtausende alte Tradition. Dabei ist es unser Vorteil, dass wir uns immer wieder neu erfinden und uns den modernen Gegebenheiten anpassen, aber trotzdem auf altbewährtes Wissen und Techniken zurückgreifen können. Damit leistet das Handwerk einen entscheidenden Anteil an der Denkmalpflege und Restaurierung historischer, oftmals jahrhundertealter Gebäude und Kulturgüter. Die Bedeutung, die der Fachkompetenz des Handwerks an dieser Stelle zukommt, unterstreicht ein Zitat von Heribert Späth, ehemaliger Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks: Durch unsachgemäße Sanierung sei in Deutschland mehr Bausubstanz zerstört worden als im Zweiten Weltkrieg.“

SMWA-Staatssekretär Stefan Brangs erklärte: „Wie vielseitig das Handwerk ist, haben wir heute bei der Pressetour sehen können. Die Handwerkerinnen und Handwerker sind gefordert, wenn es um individuelle Lösungen für Aufgaben und Herausforderungen von privaten Haushalten bis zur Industrie geht. Hier zahlt sich die Nähe zum Kunden aus. Handwerkliches Können und Servicequalität in Verbindung mit modernen Technologien geben wichtige Impulse für die Fortentwicklung von Produkten und Produktionsprozessen. Hier liegt die Bedeutung des Handwerks in seiner Rolle als Technologiemittler, der für die breite und rasche Verbreitung neuer Technologien in die verschiedensten Branchen und Anwendungsfelder sorgt. Natürlich ist auch das Handwerk selbst an neuen Entwicklungen maßgeblich beteiligt und erobert mit eigenen Produkten und Serviceleistungen neue Märkte. Ein Mittelstand, der innovativ ist, trägt erheblich zum wirtschaftlichen Wachstum in Sachsen bei.“

Die Stationen der Tour:

Kleiner Ballsaal im Residenzschloss Dresden – Firma Metallbau und Kunstschmiede Aurin GmbH

1986 begann nicht nur der Wiederaufbau des 1945 bis auf die Grundmauern niedergebrannten Dresdner Residenzschlosses. Im selben Jahr wurde auch die Firma Metallbau und Kunstschmiede Aurin in Schönbrunn (Ortsteil von Bischofswerda) gegründet. Seit 2016 führt Metallbaumeister Steffen Aurin, Sohn von Firmengründer Eckbert Aurin, den Familienbetrieb mit zwei Gesellen und einem Lehrling. Neben dem normalen Metallbau – also der Herstellung von Zäunen, Geländern, Treppen und Balkonen – war die Restaurierung von Anfang an einer der Firmenschwerpunkte. Unter anderem auf der Festung Königsstein, im Barockschloss Rammenau, auf Schloss Weesenstein oder im Dresdner Bahnhof Neustadt war der Meisterbetrieb bereits im Einsatz, um Wertvolles zu bewahren oder wiederherzustellen.

Mit der originalgetreuen Rekonstruktion des 32 Meter langen Geländers im Kleinen Ballsaal des Residenzschlosses ist dem Unternehmen eine handwerkliche Meisterleistung gelungen. Das Geländer war eine besondere Herausforderung: Insgesamt 2.300 Arbeitsstunden investierten Aurin und seine Mitarbeiter von November 2016 bis Mai 2017 in die Rekonstruktion. Dafür wurden die zwölf Felder des Geländers komplett in einem CAD-Programm am Rechner nachgezeichnet und im Maßstab 1:1 ausgedruckt. Anschließend wurde das Geländer mithilfe von 2.104 einzelnen Gussteilen aus Zinkguss Millimeter für Millimeter rekonstruiert. Eine echte Sisyphus-Arbeit, die so auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist, denn selbstverständlich trugen Aurin und sein Team Sorge, dass die Verbindungsstellen nicht mehr sichtbar sind. Die Montage des Geländers im Kleinen Ballsaal ist für Ende Oktober geplant.

 

Bronze-Eingangstüren im Kulturpalast Dresden – Firma FUCHS + GIRKE Bau und Denkmalpflege GmbH

Wichtige Etappen in der Dresdner Stadthistorie von der urkundlichen Ersterwähnung im Mittelalter über das Barockzeitalter und die Industrialisierung bis hin zum Neuanfang nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs dokumentieren die vom Bildhauer Gerd Jaeger 1969 gefertigten Reliefdarstellungen auf den Bronzetafeln an den fünf Eingangstüren zum Kulturpalast. Wenn auch nicht auf den Relieftafeln abgebildet, nimmt FUCHS + GIRKE aus Ottendorf-Okrilla in der Geschichte der Türen eine tragende Rolle ein. Im Zuge der Sanierung des Kulturpalasts zeichnete das 1991 gegründete 150-Mann-Unternehmen für deren Restaurierung verantwortlich.

Im Jahr 2013 nahm sich FUCHS + GIRKE für eine Proberestaurierung einer der Türen des Kulturpalastes an. Die Erkenntnisse dieser Arbeit waren Grundlage für die weitere Bauplanung. 2016 schließlich übernahmen drei Mitarbeiter mit der Qualifizierung zu Spezialfacharbeitern für Restaurierung die restauratorische Aufarbeitung und technische Instandsetzung aller fünf Türanlagen. Dabei stand nicht nur die Restaurierung der Bronzeelemente im Fokus, es galt auch, die Türanlagen an moderne Erfordernisse und Normen anzupassen – von der Wärmedämmung bis hin zur automatischen Türöffnung und dem barrierefreien Zugang.

Doch nicht nur die Türen am Kulturpalast-Haupteingang konnten dank FUCHS + GIRKE restauriert werden. Auch die sich über 2.000 Quadratmeter erstreckende Außenfassade aus 292 einzelnen Elementen im ersten und zweiten Obergeschoss sowie die historischen Geländer der Schmetterlingstreppenhäuser des Foyers erstrahlen dank der Restaurierungsspezialisten wieder im alten Glanz.

Sein Können unter Beweis gestellt hat das Unternehmen in der Vergangenheit bereits u. a. am Neuen Palais und der Garnisonskirche in Potsdam, an der Staatsoper Berlin, an der Dresdner Albertbrücke und auch am Residenzschloss. Um die entsprechenden Fachkräfte dafür zur Verfügung zu haben, bildet das Unternehmen nicht nur aus (aktuell 20 Auszubildende), sondern bildet seine Mitarbeiter regelmäßig weiter, u. a. zum Geprüften Fachhandwerker für Restaurierungsarbeiten bzw. zum Restaurator im Handwerk. Denn: Als Fachfirma für Denkmalpflege ist das Unternehmen, das neben Schlossern, Klempnern und Kunstschmieden auch Maler, Stuckateure, Steinmetze und Tischler beschäftigt, auf die spezifischen auf die fachtheoretischen Kenntnisse und insbesondere die spezifischen praktischen Fähigkeiten und Erfahrungen qualifizierter Mitarbeiter angewiesen, um auch weiterhin den hohen Ansprüchen im Leistungssegment der Denkmalpflege und hochwertigen Bausanierung gerecht zu werden. Zudem bemüht sich FUCHS + GIRKE derzeit um die Zulassung als Einsatzstelle für das Freiwillig Soziale Jahr Denkmalpflege, um bereits junge Menschen für die spannenden Tätigkeitsfelder der handwerklichen Denkmalpflege zu begeistern.

 

Dresdner Piano-Salon Kirsten GmbH

Einer von 16 Klavier- und Cembalobau-Betriebe im Kammerbezirk Dresden ist das 1989 in Dürrröhrsdorf gegründete Pianohaus Kirsten, das seit 20 Jahren als Dresdner Piano-Salon in der sächsischen Landeshauptstadt heimisch ist und in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum am Standort im Coselpalais feiert. Aktuell beschäftigt Klavier- und Cembalobauermeister Bert Kirsten acht feste und acht freie Mitarbeiter, die sich sowohl um die Reparatur und Generalüberholungen als auch den Neuaufbau von Klavieren kümmern. So wurden aktuell zwei Konzertflügel nach Vorgaben französischer Designer individualisiert – dabei traf auch traditionelles Handwerk auf moderne Technik. In die Flügel wurden einfache Lichteffekte, eine Selbstspielautomatik und Internetzugang eingebaut.

Auch der Nachwuchs spielt für Kirsten eine entscheidende Rolle: Elf Klavierbauer hat er in seinem Familienbetrieb seit der Gründung ausgebildet, zwei von ihnen waren im bundesweiten Nachwuchswettbewerb die Besten ihres Jahrgangs. Ebenso der Konzertverleih und der Verleih an Privatpersonen, Frachttransporte mit zwei firmeneigenen Spezialtransporten sowie das Stimmen der Instrumente gehören zum Portfolio. In der Landeshauptstadt betreuen Kirsten und sein Team unter anderem Kreuzchor und Kreuzschule, die Musikhochschule Carl Maria von Weber, die Paluccaschule, die Jazztage sowie das Dixielandfestival und die Meisterkonzerte auf Schloss Albrechtsberg.

 

Fakten zur Handwerkskammer Dresden:

22.260 Handwerksbetriebe mit etwa 125.000 Beschäftigten und rund 5.200 Lehrlingen gibt es im Kammerbezirk Dresden (Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie die Landeshauptstadt Dresden). Mit 13,9 Betrieben je 1.000 Einwohner liegt die Betriebsdichte über dem bundesdeutschen Durchschnitt (12,3). Die meisten Handwerksunternehmen im Kammerbezirk gibt es mit 5.322 in der Landeshauptstadt Dresden.

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